Warcraft: The Beginning

In diesem Film von Duncan Jones (Source Code), der mit Charles Leavitt auch das Drehbuch geschrieben hat, werden Ängste von friedlichen Bürgern vor fremdartigen Invasoren bebildert. Von dem Hintergrund der Hysterie, mit der hierzulande die Diskussion über die Flüchtlinge geführt wird, könnte man meinen, bei den Flüchtlingen handle es sich um Orcs, wie hier im Film, die zu uns drängen, aus einem unbekannten Jenseits von hinter einem „Portal“.

Die Orcs sind die Gefahr. Es sind Wesen ohne Bildung, Riesen mit Walrosszähnen und auch mal mit Nasenringen versehen, mit larvenhaft ausufernden Knautschgesichtern, mit Kostümierungen wie grimmige Fasnetfiguren oder Winter- und Teufelaustreibgesellen, in unserer Kultur regional gut bekannt und verbreitet, also durchaus mit anheimelndem Wesen. Oder sie erwecken Assoziationen ans anthropologische Museum mit seinen Ausstellungstücken indigener Kulturen. Sie leben in Horden.

Die guten Menschen kommen nicht aus Sezuan, sondern leben in Azeroth. Auch das ist ein uns gut bekanntes Milieu: Fachwerkhäuschen und Türmchen, dicht an dicht, Bücher in enormer Anzahl gibt es und redliches Handwerk, das Rüstungen und Schwerter schmiedet und einen König, Lothar, der ein persönliches Drama erleiden und ein beachtliches Opfer bringen wird. Das uns bestens vertraute Mittelalter, ein übersichtliches Faszinsoum mit viel Nostalgiewert noch ohne Handys und Telefon, ohne Computer und Fernsehen; aber mit heftigen Eingriffen der Computerpostpro.

Beiden Welten ist gemeinsam, dass sie Anführer haben, ergo auch Machtkämpfe, dass es bei ihnen Verräter gibt, dass es Figuren gibt, die sich fragen, ob die Welt nicht auch ohne Krieg bewohnbar sei, dass sie gegenseitig Gefangene machen, die zumindest in Azeroth hochanständig behandelt werden, wie der Umgang mit Garona, dem urtümlich auf sexy getrimmten Orcweib, zeigt. Gemeinsam ist beiden Welten der Hang zur Magie, was die Computerkünstler zügellos nutzen für Riesel-, Quirl- und Verschwurbelleffekte, Blitz- und Lichtlinien, die sich zu Faradayschen Käfigen formen oder sich als leuchtstarke Spinnweben verschwiemeln, und das magische Grün in den Augen der Akteure, das giftige.

Vertraute Topoi, lustigerweise in der Orc-Welt, stammen aus der Bibel: das Weidenkörbchen, in welchem der prädestinierte Nachwuchs auf einem Fluss ausgesetzt wird, die heilige Familie mit Kind in einer Hütte aus Geäst. Und der Verräter bei den Menschen, Medivh, sieht im Moment der Offenlegung seines Verrates aus wie Jesus auf vielen Gemälden und Bildern.

Die Bildwelt dieses aufwändigen Filmes dürfte also dem Konsumenten deutlich vertrauter sein als jene aus dem Marvel-Universum mit seinen Superhelden, auch die grünen Wälder und bergigen Schluchten, und sogar das Reh in der Natur kommt vor. Es fehlt nicht viel und diese Ikonographie erinnert gar an miefig-abgestandene, verwohnte Stuben oder an Spelunken-Stammtisch-Ästhetik. Wobei der Flug mit dem mächtigen Greif, dem Flugvogel, als Formulierung für die Sehnsucht abzuheben und die Schwingen zu heben sich nahtlos einfügt; der kann auch Orcs ganz nebenbei eine tüchtige Abreibung verpassen.

Mittelalterliche Schlachten und Heerscharen, Gemetzel. Der Zuschauer ist durch die vielen Nah- und Großaufnahmen mitten drin in dieser schlägerischen Auseinandersetzung zwischen Archaik und Zivilisation – die – wie poetisch – noch einen Hinweis auf Novalis, auf die Blaue Blume, animiert als ephemeres Wesen, enthält.

Ein Satz, der nah an der heutigen Politik liegt, die Orcs seien eingeladen, gerufen worden.

Ein Schlachtenepos, dem sich kaum zu entziehen ist, zumindest wenn der Film wie bei der Pressevorführung in Dolby Atmos gezeigt wird, einer Rundumbeschallung, der nicht auszuweichen ist, (und noch 3D dazu), wobei der Ton einem näher geht, so dass ich nach dem Kinobesuch noch minutenlang das Gefühl hatte, mir fehlt etwas; ich hätte meinen Schutzhelm im Kino liegen gelassen. Ein Kino was einen allein durch diese technische Tüftelei und Innovation mit 118 kombinierbaren Soundobjekten umfängt, unabwehrbar physisch in einen eindringt.

Symbolisch hochaufgeladen sind Begriffe wie das Fell, das Portal, der Dämon garniert mit der Erkenntnis: dass das Alleinsein schwach mache. Die Aufopferung von König Lothar zur Rettung des Friedens findet ein feierlich staatstragend krönendes Schlussbild mit Katafalk und Massenveranstaltung.

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