Sing Street

Bewältigung des Coming-of-Age mittels Gründung einer Band.

Conor, Ferdia Walsh Peelo, ist mitten in diesem Prozess, der noch erschwert wird durch die sozial-ökonomische Krise zu Hause, die Ehe der Eltern im Eimer.

Immerhin hat er im älteren Bruder Brendan einen ihm freundlich gesinnten Menschen. Die ökonomische Krise zu Hause hat zur Folge, dass Conor an eine billigere, kirchliche Schule wechselt, die von Jesuiten geleitet wird: nur schwarze Schuhe sind akzeptiert, der Ton ist rau, die Disziplin schwächelt.

Conor verliebt sich in Raphina, Lucy Baynton, die wie ein Model vor ihrer Haustreppe sich den Jungs auf dem Schulweg provokant präsentiert, Zigarette in der Hand. Sie setzt in Conor die Kreativität zur Erfindung einer Band in Gang, um an sie ranzukommen. Sie selbst möchte Model werden und träumt vom Ausbruch aus Irland nach London. Viele träumen hier so.

John Carney, Autor und Regisseur dieses Filmes (Can a Song save your Life) bleibt dicht am Leben, somit auch dicht an diesem großartigen, irischen Dialekt, der für unsereins ab und an kaum verständlich ist; was dem zwingenden Charme der Geschichte keinen Abbruch tut; bewahrt diese Filmpreziose vor einer deutschen Nachsynchronisation!

Carney neigt sich seinem Objekt und Thema zu, als drehe er einen Super-8-Film über die Realität Mitte der 80er Jahre. Er hat in Ferdia Walsh Peelo einen jugendlich-unverdorbenen Darsteller, der auch für seine großartig gecasteten Bandmitglieder die Offenheit, diese Neugier so rüber bringt, dass auch der Zuschauer bei aller Abgebrühtheit nie ganz sicher ist, wie das nun ausgehen wird; ob die Band, die in einem liebevoll spießig ausgestatteten Wohnzimmer, das mit allen nötigen Instrumenten von Keyboard über Elektrogitarre und Drums und vielen anderen Instrumenten vollgestellt ist, ob die Band, die sich „Sing Street“ nennt, es überhaupt zu einem Auftritt bringt; denn nie verliert Carney aus dem Blick, dass es sich dabei um einen Überbrückungsversuch zum Aushalten der Verlegenheit der Lebenssituation ist, der Zwang zur Schule, der die Interessen nicht deckt bei gleichzeitigem Mangel an belastbaren Alternativen und dann noch die Unruhe, die die Mädchen verursachen.

Das ist eine der großen Stärken von Carney, das Leben im Film so darzustellen, als ob er eine Dokumentation macht, wenn die Band ihr erstes Video dreht, die köstlichen Klamotten, mit denen sie erscheinen und Raphina, die lang erwartet doch noch auftritt und unbedingt die Mitglieder schminken möchte.

Wie sich die Jungs an die Musik herantasten, wie der älter Bruder Brendan Connor einige Platten zum Hören gibt, wie Connor mit dem einen Kollegen Lyrics ausprobiert. Und immer wieder die nahe und doch unerreichbare Raphina, die viel sicherer und abgeklärter erscheint und tut als sie in Wahrheit ist; sie ist ein Jahr älter als Connor, wirkt aber deutlich weiter und reifer. Die beiden sind hier für mehr als einen magischen Kinomoment gut.

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