Outside the Box

Die darwinistische Botschaft bringen sie fett rüber und es scheint, als seien dabei mindestens ein Frosch und ein Kücken ums Leben gekommen. Der Frosch vom luxuriösen Autobus, der die vier Protagonisten zum Team-Building Weekend in die Berge Tirols bringt, das Kücken am Schluss, damit jeder es versteht, von einem echten Raubvogel.

Wäre gar nicht nötig, denn die Skizze des Konzeptes des Drehbuches, das Philip Koch mit Anna Katrin Schneider geschrieben hat, und das er hier verfilmt, bringt die These des Darwinismus im Geschäftsleben mit plausibel recherchiertem Karrieristen- und Businesssprech und dem Survival-Trip, der, so ist es gut angedacht, brutal aus dem Ruder läuft, bestems zur Geltung. Die Tiersymbolik wirkt wie doppelt gemoppelt.

Besser wirkt die Waldkulisse. Steiler Herbstwald, der immer wieder eingeblendet wird und eine Rolle spielt, aus tiefer Perspektive aufgenommen, die Baumstämme wie stramme Karrieristen nach oben strebend, versuchend, dem Nachbarn, dem Kollegen Luft und Licht wegzuschnappen.

Die Überlebensspiele im Wald werden mit fest installierten und zusätzlich mit in die Overalls der Agierenden eingebauten Kameras in das Übungsleitungszentrum der Firma Bickstein übertragen und von einem Kontrollraum aus gleich zu einem Livestream ins ad hoc eingerichtete Pressezentrum eingespielt. Die Presse soll von der Leistungsfähigkeit der Firma, von der hervorragenden Qualität der Personalschulung überzeugt werden.

So weit die gelungene Exposition, die auch die Figuren und ihren Hickhack im Bus plausibel vorstellt und neugierig macht auf den Fortgang.

Zwei semibekannte TV-Darsteller sind engagiert, um zwei Kidnapper zu spielen und die vier Teilnehmer zu bedrohen. Hier allerdings verselbständigt sich das Programm. Die angeheuerten TV-Mimen riechen Bicksteins Geld, wollen die Teilnehmer zu Geiseln nehmen und echtes Lösegeld von Firmeninhaber Bickstein fordern. Allerdings hapert es bereits hier an einer zwingenden, inszenatorischen Umsetzung.

Bickstein wird gespielt von Hans Zischler in einer Rollstuhlrolle, sieht mit seiner Glatze glänzend aus und bemüht sich deutlich zu zeigen, dass er das Zuschauen zu mimen sich bemüht.

Mit der Geiselnahme und einem echten Schuss aus einem Gewehr gerät der Event-Plan durcheinander.

Allerdings geht es ab hier auch dem Film nicht mehr so gut, zumindest so, dass es seinen Wirkungsgrad hinsichtlich Publikumszuspruchs deutlich schmälern dürfte. Die Dramaturgie des Filmes leidet.

Der exakte Nachvollzug, der konkret-physisch-psychisch-haptische Dominoeffekt des Aus-dem-Ruder-Laufens und auf welcher Realitätsebene sich die Darsteller zu befinden glauben, wird nicht stringent herausgearbeitet. Vieles bleibt theoretisch, anskizziert. Das mindert das Sehvergnügen. Unlogische Reaktionen von den vier Probanden, wenn sie sich beispielsweise das zweite Mal aus der „Box“ befreien, da müssten sie doch als erstes rumschauen, ob ihr Verfolger, den sie abgehängt zu haben glauben, auf sie lauert, ob er sie bereits empfängt, aber das tut keiner von denen oder im Pressezentrum, das ist nicht sorgfältig genug erarbeitet, wie da die Skepsis wächst und wie die von den Vertretern der Firma Bickstein weggewischt werden; das bleibt im Angedachten stecken.

Auch die Geschichte mit der Frau, die kurz den alten Bickstein vögelt, um an das Bargeld unter seinem Bett zu kommen, das geht so wie abgesprochen, aber nicht glaubwürdig entwickelt vonstatten, bleibt theoretisch, bleibt hingeworfene Idee mit mangelhaftem Vollzug.

Da haben sich unsere High Potentials von Filmemachern zur Umsetzung ihrer tauglichen Idee nicht genügend „aufgeschlaut“. Bei aller Spielfreude, die Reaktion in so einem Unfall im Spiel, die muss realistisch sein, das ist das Salz in der Suppe.

Ein weiteres Indiz für diese dramaturgische Ungründlichkeit mag die immer wieder auftauchende Frage sein, was denn hier los sei, was denn jemand wo mache; im deutschen Kino nach wie vor ein ausreichender Hinweis für leichtfertig-oberflächliche Drehbucharbeit.

Bauplan zum Film ok, Umsetzung mangelhaft. Schade um Aufwand, gute Stimmung und die prächtigen Darsteller, wobei mir auch die Journalisten zu sehr als Schafsherde inszeniert scheinen – war wohl kritisch gemeint.

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