Kommentar zu den Filmstarts vom 26. Mai 2016

Wieder so viele neue Filme. Mein Favorit ist The Whispering Star, der mit einer ungeheuren Leichtigkeit die größte Distanz zur Kleinkariertheit und zum Hickhack der Welt schafft, ohne diese zu ignorieren, ja indem er das sogar großartig einbaut und zudem einen stark dokumentarischen Blick auf Fukushima und die Folgen wirft. Einblick in die Flüchtlingsarbeit in Persien bietet Sonita, wobei die Dokumentaristin zur glücklichen Wendung der Geschichte gegen das Prinzip des Dokumentarfilms einen starken Schubs verleiht, während Urmila über das Mitleidige mit der jungen Frau, die sich in Nepal aus der Sklavschaft befreit hat, nicht hinausreicht. Hollywood-Klassenclown George Clooney beschäftig sich in Money Monster nonchalant und nicht allzu betroffen mit den Folgen mieser Finanzbetrügereien, bietet dem reingelegten Kleinanleger voodoomäßig die Chance, Rachegefühle auszuleben. Mit deutlich mehr Biss und Humor wartet zum Thema Demokratie Mein Praktikum in Kanada auf, mit einem unverdorbenen, wachen Geist aus Haiti namens Souverain. In Sing Street verschmelzen die Nostalgie nach der Musik der 80er und dem Coming of Age zu einer runden, gefühlvollen, nichtsdestotrotz präzisen Story, während Warcraft: The Beginning mit Dolby Atmos und viel Nahaufnahmen kriegerische Auseinandersetzung in uns vertrauter Ikonographie in einer Mischung aus Mittelalter und schwäbischer Fasnet in uns hineininjiziert. Bei drei weiteren, deutschen Neustarts sind überall gute Ansätze da, aber es hapert an allen Ecken und Enden, vor allem bei den Büchern, da sollten sich die Highpotentials doch besser aufschlauen, bevor sie zu drehen anfangen: Ente gut! fasziniert zwar mit seinen beiden bildhübschen Vietnamesen-Girlies, leidet aber leidet enorm unter der fernsehredaktionellen Vorgabe, ein besonderer Kinderfilm sein zu sollen, Outside the Box ist nach einer gelungenen Exposition restlos von sich begeistert und glaubt, damit auf die weitere Ausarbeitung verzichten zu können und Der Nachtmahr schafft es erst ganz am Schluss, eine Beziehung zwischen dem Teenage-Girl und dem schnuckeligen Trickwesen herzustellen.

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