X-Men: Apocalypse

Den Fans wird’s gefallen: zweieinhalb Stunden, dazu in 3 D, also mit zweimaligem Aufschlag auf dem Eintrittsgeld werden sie für ihr Fantum blechen resp. von den Machern abkassiert, dürfen sie ihre Lieblinge aus dem Marvel-Universum Professor Charles Xavier, Magneto, Raven, Hank McCoy, Apocalypse, Stryker und und und mit den Augen und Ohren verschlingen.

Und sie lösen sich auf und mutieren und mutieren und lösen sich auf und die Computerspezialisten können nicht genug davon kriegen, sie wieder auzuflösen und wieder zusammenzusetzen wieder zu mutieren, für den Kinomenschen wird es schnell anstrengend und wieder und wieder, so wie für kleine Kinder die Märchen auch immer wieder wiederholt werden müssen.

Der Vorgängerfilm X-Men: Zukunft ist Vergangenheit hatte mich noch versöhnlich gestimmt; inzwischen wurde Gods of Egypt auf den Markt geworden, in dem die Computeranimiererei sich als Bildschirmtäterei bloß gestellt hat, was das Auge dafür schärft und unglücklicherweise fängt diese X-Men-Folge, auch wieder von Bryan Singer nach dem Buch von Simon Kinberg, in Ägypten an, pompös und so offensichtlich computeranimiert, dass der Fokus verschärft auf die inszenatorischen Stehparties gerichtet ist, die doch recht langweilig gebaut sind, Aufzug, Dialog, Abgang, irgendwas ist immer zu verhandeln bis die Welt wieder gerettet ist, bis die paar versprengten Aufrechten vor dem Hintergrund der Familie die Welt einmal mehr vorm Untergang gerettet haben und dann die pompöse Musik und der bedeutungsvolle Sprechduktus und die entsprechende Theaterei.

Den Computeranimateuren hätten ein paar Zügel gut getan, so wirkt doch vieles wie Hokuspokus, der noch dazu in dumpfem Rhyhtums vorgezaubert wird; stellenweise kommt der Verdacht auf, Roboter hätten die Regie geführt; so wirken die Figuren oft einsam, als ob sie vor leerer Leinwand spielten; und groß ist der Qualitätsverlust bei Absetzen der 3D Brille nicht.

Die Zerbröselffekte der Mutationsvorgänge lassen an Max und Moritz erinnern nach dem Durchgang durch die Mühle: „Hier kann man sie noch erblicken, fein geschroten und in Stücken“ wenn sie am Schluss gemahlen sind und aus dem Mehl ihre Zeichnungen auf den Boden erscheinen („Doch sogleich verzehret sie Meister Müllers Federvieh“); so viel Witz ist dem Marvel-Universum allerdings nicht gegeben.

Es scheint auch vom Buch her der Ehrgeiz, die ganze Welt und die Weltgeschichte erklären, begreifen, beherrschen, zerstören und retten zu wollen, über die Hutschnur gegangen. Jedenfalls hatte der Regenguss nach dem Kino für mich deutlich mehr Realitätsthrill als der ganze Film, dessen Fantasien in den Spielereien, die die Computerbildmanipulation ermöglicht, verdorrten.

Die Bildwelt auf der Leinwand tendiert dadurch in Richtung Tapisserie-Dekor wie in alten barocken Schlössern, nur eben mit den Pixel-Mitteln.

Und dann die Heilsbotschaft, nach dem „lost everything“ oder die Ermahnung „you cannot give yourself up“ wirkt wie Flohmarktkino, deutlich weniger aufregend als ein Zinnfigurenspiel, welches die Fantasie mehr fordert, die muss bei diesem die Belebung vornehmen, während sie einem hier in mikropixeliger Feinheit zermampft serviert wird.

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