Parchim International

Die Leere auf dem Flugfeld unter konsequentem Chronologieverzicht.

Oder die Geschichte der Herren Pang aus China und Knan aus Bayern und was sie in Mecklenburg-Vorpommern verbindet.

Herr Knan soll für den Investor Pang aus China den ehemaligen Militärflughafen von Parchim zum internationalen, chinesischen Stützpunkt-Flughafen in Europa ausbauen, einem Flughafen, auf dem die Chinesen die Herren sind und nicht die sie anderswo schikanierenden Deutschen oder Europäer.

Die Pläne sind hochfliegend. Herr Pang hat Beziehungen zu vielen Fluggesellschaften aus Nigeria und Polen, die unserein nicht unbedingt ein Begriff sind. Er träumt von einer großen Transitzone mit einem Spielkasino. Er träumt von Lagerhallen, in denen Teilelieferungen aus aller Welt zu fertigen Produkten zusammengesetzt werden. Er träumt von einem Dubai in Mecklenburg-Vorpommern – und die Bundeskanzlerin ist wohlgesonnen.

Herr Pang hat den Flughafen für 30 Millionen gekauft, für 47 Millionen inzwischen ausgebaut und stellt weitere 100 Millionen für Investitionen im Flughafen und drum herum in Aussicht, ein Hotel muss gebaut werden. Er orientiert sich an arabischen Drehkreuzideen. Er weiß genau, was er will. Er ist Pragmatiker; ihn interessieren bei Pannen nicht Schuldzuweisungen, sondern wie er weiterkommt.

Herr Pang ist ein Ausdauermensch, er ist dauernd am Joggen, in Parchim, Shanghai oder in Peking. Der Bayer Knan kämpft vor Ort mit provinzieller Kleinkariertheit und Gerüchtemacherei von wegen Landebahnverlängerung und dergleichen.

Aufgeben kommt für Knan, der aus einfachen Verhältnissen in Zentralchina kommt, nicht in Frage. Er könnte sich selbst nicht mehr ernst nehmen.

Einen unerwarteten und heftigen Gefühlsausbruch erschüttert ihn und den Zuschauer bei einem Besuch bei seiner Mutter, wie er an den Tod seines Vaters denkt. Er konnte nicht nach Hause, weil er gerade dabei war, geschäftlich in Nigeria Fuß zu fassen. Nach Hause zu reisen, hätte bedeutet, das Geschäft sausen zu lassen; ein elementarer Konflikt.

Herr Pang rechnet in Zeiträumen, die nicht unbedingt mitteleuropäisch zu nennen sind, er rechnet in Jahren, Jahrzehnten, ja Zentenarien, obwohl es doch auch bei uns heißt: Rom ward nicht an einem Tag erbaut.

Diese Ausdauer hat der Dokumentarist Stefan Eberelin, der mit Manuel Fenn auch das Drehbuch geschrieben hat, nicht. Er ist über eine Zeitspanne von etwa 5 Jahren dran geblieben an Parchim International. Jetzt wollte er den Film fertigstellen, obwohl der Ausgang des Investments noch offen ist. Insofern ein unfertiger Film.

Immerhin haben wir schöne, unaufdringliche Landschaftsaufnahmen, ganz pastellen aus Mecklenburg-Vorpommern gesehen, Peking im Smog, einen Textilspediteur, der in drei Jahren Flughafenbetrieb nicht einen Frachtauftrag erhalten hat, einen Privatflieger, der für eine Land-and-Go-Übung 10.61 Euro bezahlt, inklusive Rausklauben von Centstücken, wir haben von Frau Merkel schwärmen gehört und wie sie für Parchim-International schwärme, wir haben Parteisekretär Xu empfangen und zu unserer Lieblingsfigur ist der Mann im Tower avanciert, der auch nach 90 Minuten noch im alten Container von Kontrollturm sitzt mit einem krächzend rotierenden Markierungsscheinwerfer auf dem Dach, mit einer Klimanlage, die krank macht im Sommer und im Winter nicht wärmt und wir haben mit der Feuerwehr einen zünftigen Schweinebraten, gesponsert von Herrn Pang, vertilgt.

Wir hoffen, dass das alle noch lange so bleiben möge, denn wir würden auch gerne mal diese Landung mit Gleich-wieder-Abheben für 10.61 Euro üben und sowieso törnt nichts mehr zum Träumen an als die Leere.

Oder mit dem schwarzen Mercedes über die leere Piste touren und Hasen beobachten.

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