Viktor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Mit enormem opern- und ausstattungsenergetischem Aufwand stemmt Paul McGuigan nach dem Drehbuch von Max Landis (American Ultra) nach dem Roman von Mary Shelley diese Geschichte menschlicher Hybris auf die Leinwand und dass es nicht gut sei, wenn der Mensch versuche, seinesgleichen zu erschaffen. Das ist durchgestylt und durchtheatralisiert mit durchgängig farbgebleichtem und frisiertem Look, wie ein Gemälde aus einer vergessenen Gemäldesammlung aber frisch entstaubt, und irgendwie doch von weit, weit her.

Es fängt mit schönen, atemberaubenden Zirkusbildern an, wie aus einem alten Zirkusbuch. Ein Buckliger, Igor, Daniel Radcliff in einer Paraderolle, buckelt sich am Boden herum, muss sich treten lassen, ist eine geschundene Kreatur und als Gegenbild schwebt wie ein Wesen aus einer anderen Welt am Trapez Lorelei, Jessica Brown Findlay, unerreichbar und dafür umso ersehnter.

Ein Fehlgriff von Lorelei in großer Höhe führt zum Absturz vor vollem Haus. Igor eilt als erstes herbei; er erkennt was los ist; ein unbekannter Mann mit großem Lachen und großen Augen kommt dazu, hat einen Ratschlag; gemeinsam bringen sie die atemlos am Boden liegende Tänzerin wieder zum Schnaufen, ein gezielter Schlag an eine Stelle auf dem Schlüsselbein hilft.

So stoßen Victor Frankenstein, James McAvoy und Igor aufeinander. Die beiden werden verfolgt, können durch ein getarntes Loch im Boden der Manege fliehen, sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen.

Victor nimm Igor mit zu sich, wird ihn bald zum Assistenten, gar zum Partner machen. Als erstes kuriert er ihn von seinem Buckel. Wozu er die Flüssigkeit braucht, die er dem Buckligen absaugt, verrät er nicht.

Später wird er ihn in sein geheimes Labor einführen. Er ist dabei, einen Homunculus zu entwickeln aus Körperteilen von anderen Lebewesen; mit Hochspannungsstromschlägen soll das zum Leben erweckt werden.

Von weither ist abzusehen, dass es sich selbstständig machen wird. Dahin ist aber noch Zeit, denn es funkt Inspector Turpin dazwischen, um Krimispannung zu erzeugen und außerdem tritt der Old-Rich Finnegan, Freddie Fox, auf, der großes Interesse an der Erfindung zeigt, pures Geschäftsinteresse.

Plötzlich ist auch Lorelei wieder da, die Liebesgeschichte wird fortgeschrieben. Zwist zwischen Igor und Victor trennt die beiden, Komplikationen ergeben sich bis zum finalen Versuch einer künstlichen Riesenschöpfung mit zwei Herzen, die zirzensisch und mit Spezialeffekten inszeniert wird.

Perfektes Kino, gekonnte Theatralik, sinnlich hungrige Männerfiguren, bürgerlich-gigantischer Aufwand von Spuktheater, top-notch-theater, aufwändig langweilig und exquisit auf verstaubt gemacht, und dann doch Freundschaft zweier Männer, die sich brauchen. Victor hat seinen Bruder Henry umgebracht und will dafür einen Ersatz kreieren. Das will nur bedingt gelingen in dem Schloss mit den Zugbrücken. Humorlose Oper. Ein Bruderkampf biblischen Ausmaßes. Am Ende nüchterne, fast leere Bühne mit den Trümmern des Kampfes. Schönes Opernende nach dem Spektakel. Rauch und Schwall haben sich verzogen. War da was?

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