Ein aggressiver Botschaftsfilm.
Nina Messinger zeigt unbedingten Weltverbesserungswillen, den filmisch zu artikulieren sie sich unzimperlich konträrer Mittel bedient, zum einen der geleckten Bilder eines Bekehrungs- und Überzeugungsfilmes und zum anderen des mit dem Holzhammer betriebenen Agit-Prop-Filmes.
Jane Godell ist die Lichtfigur, die durch den Film führt mit immer wieder dazwischen geschnittenen, kalenderblattartigen Weisheissätzen zum guten Leben; wie eine warmherzige Göttin strahlt sie, ist aus tiefer Kameraposition aufgenommen und schaut der befragenden Dokumentaristin Nina Messinger in die Augen, nicht dem Publikum und predigt die Ehrfurcht vor der Natur.
Hippokrates wird auf Schwarzbild mit einen Text zitiert, der die Korrelation von Ernährung und Medizin behauptet.
Der anfängliche Teil des Filmes widmet sich der veganen Ernähung, empfiehlt diese wie ein Werbefilm, die guten Bilder, die glücklichen Bilder auf der Seite dieser Ernährung, die bösen Bilder, die kranken Bilder, auf der Seite der schlechten Ernährung.
Ärzte, Forscher und geheilte Krebspatienten kommen zu Wort. Zwei Monate vegan leben und der Krebs ist weg. Die deutschen Kommentare kommen von Sprecherstimmen, die an das Kränkelnde von Medikamentenwerbung erinnern. Kasein als Bösewicht, der das Krebswachstum fördert, das Zuviel an tierischem Eiweiß mache krank, fährt dieser medizinische Aufklärungs- und Vorleseteil des Filmes fort, mit der bitteren Erkenntnis endend, dass keiner ein Interesse an der Gesundheit der Menschen habe, da diese geschäftsschädigend für die Pharma- und die Medizinindustrie sei; an einem gesunden Menschen verdienen sie nichts.
Und immer wieder wie in einem Werbeprospekt durchziehen den Film großflächige Bilder appettitlicher Gemüseteller und -arrangements. Es kommen bekannte Figuren aus dem Genre des Weltverbesserungsfilmes zu Wort, der Deutsche Schweisfurth oder die Inderin Shiva.
Irgendwann bschleicht die Filmemacherin wohl ein ungutes Gefühl über die Wirksamkeit ihres Filmes. So schwenkt sie denn zur industriellen Landwirtschaft, industrielle Schweine-, Hühner- und Rinderzucht. Die geben genügend Material für den schockierenden Trashteil des Filmes her. Es sind unmenschliche Bedingungen wie die Tiere gehalten werden, wie die Menschen zu Stoßzeiten in der U-Bahn, der Straßenbahn oder im Bus. Aber das lebenslänglich, ein viel zu kurzes Leben lang. Statt 20 Jahre leben solche Tiere nur noch einige Monate, bis sie viel zu schnell viel zu viel Gewicht zugelegt haben; was Jammerbilder halbtoter Tiere ergibt. Und nebenbei sind sie für die Klimaveränderung mit ihrem Methanausstoß besonders schädlich, das haben wir im Film Cowspiracy schon drastisch erfahren.
Zwischendrin erinnern Schwarztafeln an Weisheiten von Gandhi oder von Albert Schweitzer.
Die Themen Infektionskrankheiten bei Monokultur und die Antibiotika, die dagegen verwendet werden, trauernde Kühe werden gezeigt, wie sie unter der Milchproduktionseffizienzsteigerung leiden.
Gegen diese Schauderbilder und gegen jene von den industriellen Schlachtungen, die mit grausamen Folgen lange nicht immer gelingen oder die Kastrierungen, setzt der Film Idylle, aufgehellte, strahlende Bilder von glücklichen Kühen und Hühnern und Schweinen, die sich gegenseitig um sich kümmern und die auch zu den Menschen eine Beziehung entwickeln. Wenn man schon Fleisch isst, sollte man nicht fragen, was für Fleisch es sei, sondern von welchem Tier.
Und auch die Frage: warum gibt es zwar Schaubäckereien, Schaukäsereien aber keine Schauschlachtereien?
Wer den Film schaut, wird sicher nicht gleich im nächsten Supermarkt ein anonymes Hähnchenfleisch kaufen. Aber die Frage ist, wer wird so einen Film anschauen, spricht er jene Menschen an, die gedankenlos dem Konsum derart industriell brutal hergestellten Fleisches verfallen sind? Wollen Fleischfresser sich bereitwillig so drastisch belehren lassen?