Ein zappedusteres Amerikabild entwirft Regisseur John Hillcoat nach dem Drehbuch von Matt Cook anhand der Verwachsenheit von Polizei, russisch-jüdischer Kokain-Mafia und der Mara Savatrucha in Atlanta, Georgia.
Selbst die Lichtfigur Chris, Casey Affleck, ist weit davon entfernt, eine Lichtfigur zu sein; auch er übt sich im Ausdruck von Verkommenheit, propagiert jenes kaputte Männerbild mit der schuldbewussten Schlecht-Gewissen-Stimme, die jede Verantwortung auf dieser Welt von sich weist, der doch nichts dafür kann und der naiv als Cop mitten in brutale und korrupte Verwicklungen hineingerät dank seinem Onkel Jeff, Woody Harrelson. Eine lädierte Lichtfigur, das Gegenbild eines Helden, selbst wenn er am Schluss fast als so einer dasteht.
Auch sein Onkel kultiviert diese kreideweiche Männersprechweise, die so tut, als habe sie Angst vor der eigenen Potenz und dürfe also nur wenige der Stimmsaiten anschlagen, die dadurch allerdings auch einen hochkastrierten Eindruck erweckt. Kaputte Welt. Und drum herum sieht es nicht besser aus.
Der Partner Marcus von Chris vielleicht, Anthony Mackie, der hat etwas von einem Saubermann, wirkt geradeheraus und ehrlich. Aber um ihn herum lauter Figuren, die Bündeln aus Ressentiment und Erniedrigung gleichen, als würden sie ständig in Staub getreten. Es sind vor allem Cops – die tätowierten Figuren der Mara sind malerischer und klischeehafter, ebenso wie die Russen in ihren Anzügen – die hier ihr eigen Ding durchziehen.
Während der Taten können sie den Polizeifunk mithören und sind bestens informiert, wie nah die Kollegen, die nicht wissen, dass sie Kollegen sind, ihnen schon auf den Fersen sind, wie viel Zeit sie sich noch lassen können für den Bruch.
Diese dreckigen, abgefuckten Cops arbeiten im Auftrag der Russin und Jüdin Irina. Kate Winslet hat sichtlich Spaß daran, ihre bis dahin sicherlich verkommenste Rolle zu spielen und zieht alle Register, auch im Sprachakzentbereich. Das ist vielleicht die Qualität ihrer Darstellung, dass man nicht das Gefühl hat, sie bedient sich eines Klischees, sondern dass sie versucht, sich auszumalen, über wie viele Leichen diese Frau schon gegangen ist, was die schon alles an Üblem erlebt und getan hat.
Einige grauenvolle Untaten bekommt auch der Zuschauer mit, Schandtaten der Mara. Drei abgeschlagene Köpfe werden als Symbole des Triumphes auf einer Motorhaube arrangiert, zu sehen, schnell und flüchtig oder Zähne von Opfern mitsamt Resten von Zahnfleisch zuhauf in einer durchsichtigen Plastiktüte wie Asservate. Ein kurzer Griff in die Trashkiste.
Der Titel spielt auf einen Notruf der Polizei an, dreimal die Neun. Wenn der eingeht, heißt es, dass ein Kollege in Gefahr ist. Dann konzentriert die Polizei ihre ganzen Kräfte auf diesen einen Einsatz. Insider wissen, wo sie zeitgleich in Allerseelenruhe ein Ding durchziehen können. Also brauchen die korrupten Cops ein Opfer aus ihren Kreisen, das ist die neckische Überlegung im Drehbuch von Matt Cook.
Ganz im amerikanischen, waffennarrischen Sinne ist es, dass viel geschossen wird, dass es breit geschilderte, wie zum Beweis, dass die Filmemacher das können, Raids gibt, dass Waffen leicht greifbar sind. So ist es halt, dieses Amerika. Gilt als ein Zeichen von Freiheit.
Kleine Kinder haben in so einem Film nichts zu suchen, außer in der Funktion des Erpressungspotentials. Wem das alles noch nicht reicht, der wird in reichlich dunkle Depro-Bilder von einer lebendigen und durch die Ereignisse gepackten Kamera eingewickelt und obendrein einem Sound ausgesetzt, der die Story mächtig vorwärts treibt und als aufregend charakterisiert. Schöner Joke für die Russen-Juden-Mafia: la koscher Nostra.