Peggy Guggenheim: Ein Leben für die Kunst

Schnelldurchlauf durch ein Lebensinhaltsverzeichnis.
Hochkonzentrierte Infoaufnahme, fast wie beim Daumenkino, in chronologischem Schnelldurchlauf durch das Leben der berühmten Kunstsammlerin Peggy Guggenheim wetzen, ihre Herkunft, ihre Künstler und Kunstwerke als ob man beim Bouquinisten ganz, ganz schnell eine Sammlung von Postkarten durchblättert.

Dazu jede Menge Statements von klugen Menschen aus der Kunstbranche, von Kuratoren, Autoren, Biographen, Kunsthistorikern und auch von Verwandten, ferner jede Menge Archivschnipsel bis hin zu Bildern vom Untergang der Titanic, bei dem Peggy mit sieben Jahren ihren Vater verloren hat. Redaktioneller Sammlerfleiß von Lisa Immordino Vreeland und Drehbuchmitarbeit von Bernadine Colish.

Früher Schicksalsschlag. Peggy stammt aus einer exzentrischen Familie, in welcher weder Selbstmord, Selbstmordversuche noch Kinder vom Hochhausdach in die Tiefe schmeißen unbekannt war. Reiche Vorfahren in allen Richtungen, sehr reiche, von Hausierern über Banker zum Bergbau. Enormer Reichtum. Das führte bei ihr wohl zu Exzentrik und Rebellion, zum Dasein als Enfant Terrible, zum Drang nach Auffälligkeit.

Im Guggenheimvergleich nehmen sich die 450’000 Dollar, die sie hatte, wozu später nochmal so viel als Erbe durch den Tod der Mutter hinzu kamen, recht bescheiden aus. Damit kann sie in New York ihre erste Galerie eröffnen, in Konkurrenz zum Museum ihres Onkels, zu dessen Kuratorin eine unverholene Rivalität herrscht.

Sie arbeitet aus der Intuition heraus, Autodidaktin, ihre Lehrmeister sind die großen Maler. Sie heiratet Max Ernst. Es gibt viel Ratsch und Tratsch über ihre Männergeschichten, wenig scheint sie ausgelassen zu haben. Aber nur einen Mann habe sie geliebt, von dem ihre zwei Kinder stammen, Sohn Aladin und Tochter Pegeen, die Selbstmord begeht und nie richtig aufblühen kann neben ihrer Mutter. Peggy hat sieben Mal abgetrieben, ist von den Künstlern umschwärmt; sie wiederum liebt die Künstler, besonders die mit Intellektualität; ihre Nase ist ein eigenes Statement zum Leben und wer dazu steht – sie hat wegen Schmerzen einen Operationsversuch abgebrochen -, wird zum dezidierten Außenseiter, sammelt die Außenseiter, die Surrealisten und Abstrakten um sich, auch Beckett ist sie zugetan.

Am stolzesten ist sie darauf, Jackson Pollok entdeckt und gefördert zu haben, der als Handwerker gearbeitet hat und dem sie ein paar Hundert Dollar gibt, damit er richtig loslegen kann.

Nach dem Krieg disloziert sie zurück nach Europa. Findet in Venedig den Palazzo, den sie zu ihrem Museum macht, mit dem sie die Biennale unterstützt und so zu deren Wichtigkeit beiträgt. Sie sieht sich als Hebamme für die moderne Kunst und wird als einsame Frau beschrieben, sie selbst bezeichnet sich an einer Stelle als einsamen Wolf, der gerne gesellig ist, die aber letztlich von allen nur ausgenutzt werde. Sie hat sich für die Frauen in der Kunst eingesetzt.

Das Altwerden empfindet sie als das Schlimmste, was einem passieren kann.

Der rote Faden durch diesen atemlosen Film ist Peggys letztes Audio-Interview kurz vor ihrem Tod 1979, auf das die Dokumentaristin bei ihrer Recherche gestoßen ist.

Und, ein Zückerchen für den Cineasten: Peggy hat Bilder von beiden Elternteilen von Robert de Niro ausgestellt; so ist er hier mit einem ganz persönlichen Statement vertreten.

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