Die Kommune

Thomas Vinterberg, der mit Tobias Lindhom auch das Drehbuch geschrieben hat, gibt im Presseheft ein Statement zu diesem Film ab, das so anfängt: „Im Alter von sieben bis neunzehn Jahren lebte ich in einer Kommune. Das war eine verrückte, herzlich, tolle Zeit für mich inmitten von Nackten, Bier, hochgestochenen Diskussionen, Liebe und persönlichen Tagödien …“

Selbstverständlich kommen zu diesen Eindrücken die entsprechenden Bilder im Film vor. Er schreibt auch weiter, dass die Mitglieder der Kommune eine Art Chor wie im traditionellen Drama spielten. Dieser Satz erklärt schnell auch ein Problem, was ich mit diesem Film habe: dass die meisten Figuren wenig Kontur gewinnen, sehr oft nur in den feucht-fröhlichen Tischszenen aufgedreht oder bei den Hausversammlungen zugegen sind. Das beantwortet vielleicht die Frage, die ich mir während dem Schauen gestellt habe, wozu sind diese Leute überhaupt alle da, wenn es einzig um eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung im klassischen Sinne geht.

Ein Architekturprofessor, Erik, gespielt von Ulrich Thomsen, ist verheiratet mit der Fernsehansagerin Anna, Trine Dyrholm; sie haben ein Kind, Freija, die im Film ihren ersten Freund haben wird.

An Erik, den Professor ran macht sich die Studentin Emma, Helene Reingaard Neumann; sie kann den Professor pflücken wie einen reifen Apfel. Erik hat die Millionenvilla seines Vaters geerbt. Mehr aus Laune heraus findet seine Frau Anna, man könnte ja – es sind die 70er Jahre – eine Kommune gründen, Platz sei genügend da und sie habe Bedürfnis nach anderen Gesichtern und nach Leben in der Bude.

Schnell sind Leute gefunden, zuerst Bekannte, Steffen (Magnus Millang) mit seiner Frau Ditte (Anne Gry Henningsen), sie sind charakterisiert durch ihren todkranken Buben, der nur noch beschränkt zu leben hat, Ole, Lars Ranthe, er fällt damit auf, dass er gerne Gegenstände verbrennt, der Ausländer Allon, der nah am Wasser gebaut ist und oft für französische Filmstarbemerkungen herhalten muss. Sie wirken rückblickend wie Füllmaterial für das eigentliche Drama, das sich zwischen Anna, Erik und der dazwischendrängenden Emma abspielt, skandinavisches Seelendrama.

Vinterberg präsentiert die Szenen in gelockertem Dogma-Stil: das Spiel soll so lebendig und so natürlich wie möglich sein und die Kamera muss schauen, wie sie das Wesentliche erfasst, wobei hier ganz klar Szenenwiederholungen mit verschiedenen Kamerapositionen stattgefunden haben; mit großer Bewegungsfreiheit für die Kamera, die somit oft wackelig ist am Rande des Nervens, andererseits aber den Zuschauer mitten ins Drama und den es umgebenden Chor nebst der 70er Jahre Musik hineinzieht, ein dokumentarisches Odeur versprühend und etwas von der Atmosphäre in so einer Kommune erzeugend. Illustriert wird dieses Lebensgefühl durch den Song, der mehr als einmal vorkommt: wir haben nur einen Tag zu leben.

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