Ove, Rolf Lassgard, ist ein pedantischer Misanthrop, wohnt allein in einem Häuschen in einem Sträßchen mit lauter ähnlichen Häuschen und mit Autofahrverbot. Er geht täglich zum Grab seiner Frau Sonja, die kürzlich gestorben ist (der Film stammt von 2015, als Todesjahr ist auf dem Grabstein 2014 angegeben), bringt ihr Blumen. Wir lernen ihn kennen als unangenehmen Kunden in einem Blumenladen, der ein Riesenbrimborium daraus macht, dass ein Strauß 50 Kronen kostet und zwei 70; er nimmt ausnahmesweise zwei.
In der Straße scheißt er Leute zusammen, die mit dem Auto durchfahren, liest Zigarettenkippen auf, buddelt Spielzeugautos im Sandkasten vom Spielplatz aus, faucht eine verdatterte, einsame Katze an.
Oves aktuelles Lebensziel ist der Tod, den er sich selbst beibringen möchte. Bald wird klar, dass das nicht so schnell gelingen kann in dieser warmherzigen Komödie von Hannes Holm, der mit Fredrik Backman auch das Drehbuch geschrieben hat, bald wird klar, dass diverse Dinge passieren werden, die ihn nicht nur regelmäßig davon abhalten, was durchaus die Gefahr eines Running Gags läuft, sondern dass er aus seiner Einsamkeit herausgerissen, sein Herz erweicht werden wird.
Rolf Lassgard spielt das großartig. Kurz erleben wir ihn noch in seinem Job als Ingenieur. Zwei junge Unternehmsberatertypen zitieren ihn und möchten ihm den Übergang in den Ruhestand, er ist bittschön erst 59, erleichtern. Er versteht, verlässt den Betrieb sofort und will seinem Leben ein Ende setzen.
Damit haben die Filmemacher unsere Erwartungshaltung geködert und es fällt ihnen leicht, sie zu unterlaufen, zum einen mit Rückblenden, die uns nach und nach den Charakter von Ove begreiflich machen und doch viel Überraschendes aus seinem Leben aufdecken, zum anderen, dass sie ganz nah an aktuellen Zeitproblemen sind: multinationale Nachbarn, Thema Pflegefall und Eigenwilligkeit von Pflegediensten nicht unbedingt im Sinne der Menschen, Schwulität, die Arroganz der Weißhemden, das Risiko von Busfahrten, Kompensation von Kinderlosigkeit, das Problem der Integration mobilitätseingeschränkter Mitmenschen, der unelegante Rauschschmiss aus dem Arbeitsleben, Krebs; auch mit skurrilen Varianten, dass eine Freundschaft fürs Leben aus dem lächerlichen Grund, dass der eine einen Volvo fährt und der andere einen Saab, auseinandergehen kann; der Versuch der Versöhnung wird durch eine knallige Pointe torpediert.
Mit Schlagfertigkeit und dem Ablenkungsmanöver über die Berechenbarkeit der Veränderung des Humanfaktors in Ove gelingt es Holm, uns ein paar Dinge aus unserer Zeit zu erzählen, die sonst schwer und belastend wiegen. Da haben wir ihn, glauben ihn zu haben: er ist der Typ, der sich dann doch lieber aufregt als sich aufhängt.
Du wirst das Fahren lernen, wir reden nicht von Gehirnchirurgie.