Raum

Zwei Menschen, die auf engstem Raum ohne Fenster zusammenleben, Tag und Nacht, jahrein-, jahraus; es gibt nur ein milchscheibiges Fenster nach oben.

Es ist eine Mutter, Brie Larson, mit ihrem bildhübschen, langhaarigen Buben, der gerade den 5. Geburtstag feiert und offenbar keine andere Welt als diese paar Quadratmeter kennt.

Ab und an kommt ein Mann, bringt Fressalien, schläft da. Dann ist der Bub in den Schrank gesperrt. Er kennt die Außenwelt nur durchs Fernsehen und träumt von einem Hund.

Es kommen einem andere klaustrophobische Filme in den Sinn: am extremsten vielleicht Buried, 3096 Tage, No Turning Back (hier ist ein Mann in seinem Auto eingeschlossen) oder neuer und nicht ganz so eng Der Bunker. Oder weiter zurück „Cube“. Die äußeren Umstände variieren.

Lenny Abrahamson (von ihm war zuletzt der eigenwillige Film Frank zu sehen; Frank ist in seiner Maske gefangen) hat sich an dieses Sujet gewagt nach einem Drehbuch von Emma Donoghue nach ihrem eigenen Roman.

Ausgiebig schildert der Film, aber nie langweilig, das Leben in diesem Raum, der nur Raum genannt wird, der spärlich eingerichtet ist. Es herrscht eine intensive Harmonie zwischen der Mutter und dem Buben. Was gibt es Schöneres, als eine Mutter ganz für sich zu haben. Die Haare hat der Bub sich lang wachsen lassen, weil er glaubt, das verleihe ihm Superkraft.

Einmal taucht eine Maus auf, die ist nach der Meinung der Mutter unerwünscht. Ein ander Mal verliert die Mutter einen Zahn beim Biss in einen frischen, knackigen Apfel. Der Sohn nimmt ihn an sich. Oder Mutter und Sohn basteln eine Fantasieschlange, indem sie Eierschalen-Hälften an einer Schnur aneinanderfädeln. Der Bub stellt die Frage: wo sind wir, wenn wir schlafen. Gute Frage.

Es tritt nach dem 5. Geburtstag ein Ereignis ein, was den Buben und die Mutter mit der Welt draußen konfrontiert. Der Blick der Zuschauers ist durch das geschickte Drehbuch und den gewinnenden Erzählstil auf eine Position gebracht, welche er bei so einer Geschichte moralischerseits nie und nimmer einnehmen möchte; das ist das Raffinierte an diesem Film, dem ich bis zuletzt gebannt gefolgt bin. Die deutsche Nachsynchronisation ist unaufdringlich sachdienlich.

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