Ganz so rebellisch kommt dieser Film des Dokumentaristen Carl-A. Fechner nicht daher, wie der Titelzusatz „Die EnergieRebellion“ suggeriert, vielmehr erscheint er wie eine breit gefächerte Hommage an die Energiewende mit ihren vielen Gesichtern und machtvollen Maschinen; er wird so dem Anspruch des Kinos auf Bewegung und Energie gerecht.
Einige Gesichter der Energiewende führen durch diesen bunten Bilderbogen zum Thema, das für eine unterhaltsame Schullektion oder auch Volkshochschullektion allemal tauglich ist.
Wobei, wer schon einige Filme zum Thema gesehen hat, noch am meisten durch die Info erschüttert werden dürfte, dass China in den wenigen Jahren dieses Jahrtausends mehr Beton CO2-ausstoßreich verarbeitet hat als die ganze USA im letzten Jahrhundert. Das sind Zahlenvergleiche, die unser Vorstellungsvermögen übersteigen.
Eine der Figuren, die am losen Faden durch den Film führen, ist der iranischstämmige Unternehmer Amir Roughani. Er selbst ist in Deutschland in einem Kinderheim aufgewachsen, weil seine Eltern für ihn im Iran wegen dem Krieg mit Irak keine Zukunft sahen. Das erfahren wir bei einem Besuch in einem zerbombten Kinderheim in der Ukraine, deren Kriegszustand somit drastisch im Bild vorkommt mit der Begründung, dass das dem Streit um die Energie anzulasten sei. Wodurch der Film seine These dezentraler Energiegewinnung als demokratieförderlich untermauert.
Eine andere immer wieder vorkommende Figur und ein Gesicht der Energiewende ist Edy Kraus, der hartnäckig an der Entwicklung einer mobilen Pelletieranlage arbeitet.
Das breite Spektrum alternativer Energiegewinnung geht von der kommunalen Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien über Kraftstoffe durch Wiederverwertung von CO2 (Power-to-Gas), Schiffsenergiesparen mittels Transportdrachen, über bildwirkungsvolle Windenergie, Umwidmung eines zum Abbruch bestimmten AKWs und andere Energiespeichermodelle sowie die Schwarm-Batterie-Technologie bis zur Vision von Mobilität ohne CO2.
Der Scan des Filmes umfasst des weiteren einen Energieberater, eine Passivsiedlung, Solarfabrik, eine Energiepolitikerin, einen Wirtschaftsweisen, den Chef eines kommunalen Energieversorgers, alternative Energie- und Demokratiepolitiker in der Ukraine, einen Change-Manager von SAP sowie wenig erfreuliche Bilder aus Atomruinen und von Fukushima, erschütternde Zahlen zum CO2-Ausstoß, alles gut verdaulich aufgefangen von beschwingter Kino-Orchester-Musik.
Schöner Satz zum Thema Auto: sich als Mensch über 1,6 Tonnen Blech zu definieren.
Kino als Energiekonzert.
Der Hinweis zur Terrorfinanzierung mittels Ölkaufs setzt noch folgende Gedankenassoziation in Gang: die Unruhe in diversen Ecken der Welt kann durchaus mit dem Erfolg alternativer Energie zu tun haben, weil Öl immer weniger gefragt ist; wachsende Instabilität von Staaten, die von den Öleinnahmen abhängig sind und jetzt schweren Zeiten entgegensehen, denn auch das Interesse der Kunden, vor allem der USA an diesen Weltgegenden schwindet. Gedanken, die jedoch über den Film hinausgehen.
Haupttipps des Films zum CO2-Sparen: Weniger Luftverkehr, weniger Fleischverzehr und Umsteigen auf einen Zementersatz.