Das erste Thema, um das es geht, ist Muschimassage und Frauen um 45.
Vom Reden her haben sie die Welt und das Leben durchschaut und im Griff. Aber die Welt tut nicht immer so, wie sie wollen. Denn da sind auch noch die Männer. Liebesgeschichten bahnen sich an.
Es geht in diesem neuen Film von Julie Delpy, in dem sie in mehrfacher Funktion auftritt als Autorin (zusammen mit Eugénie Grandval), Regisseurin, Hauptdarstellerin, um das Problem einer 45jährigen Frau, die Pech mit den Männern hat – und dann speziell mit einem.
Der Film fängt mit Frauen mittleren Alters in einer Szene im Whirpool am Strand von Biarritz an, wo sie nicht nur über den Massagestrahl und die Wirkung auf sein Ziel sich unterhalten, sondern generell, wie an Männer heranzukommen sei. Was hier besprochen wurde, wird bald auf dem Markt und im Lokal und auf einer Party getestet.
Das können die Franzosen ja, über die Liebe reden und faire l’amour, sie sind da ungeniert und redegewandt.
Julie, die sich hier Violette nennt, gerät an einen einfältig und bäuerlich wirkenden Typen, dessen Gliedmaßen aber stimmig sind. Ohne dass man es recht glauben mag vom Spiel her, entwickelt sich ein Bumsverhältnis, das sich in Paris, wo Violette schon wohnt und wo Jean-René, wie Dany Boon hier genannt wird, eben am Hinziehen ist.
Ganz stolz erzählt er, er habe in einem Wokenkratzervorort eine Bleibe mit Blick auf den Eifelturm. Den Gag mit diesem schäbigen Blick auf den obersten Zipfel der Sehenswürdigkeit reitet der Film bald tot.
Wie überhaupt in Paris sich herausstellt, dass Delpy ja ganz was anderes erzählen will, als was sie uns anfangs des Filmes vormacht. Denn ihr Sohn, 20, ein abgefeimter Beau, den Delpy liebend gerne nur in eng anliegender Unterhose zeigt, vielleicht ein Zeichen für eine gewisse Krise dem Männlichen gegenüber in ihrem Alter, die Titelfigur Lolo, lebt noch bei ihr. Er ist Maler. Während Jean-René Informatiker ist. Man glaubt es ihm kaum, er muss ein Genie sein, denn er entwickelt ein System, wie einer in Bruchteilen von Sekunden im Börsenhandel schneller sein kann als die anderen und so jeden Tag zusätzliche Millionen scheffeln kann. Diese Fähigkeit nimmt man dem Dany Boon in dieser Rolle nicht ab. Er schwimmt regelrecht in dem unklar geschriebenen Drehbuch von Delpy. Drum lächelt er häufig verlegen.
Aber das ist nicht die Geschichte, die Delpy erzählen will. Deshalb hat sie vielleicht auch diese Rolle nachlässig behandelt, wie übrigens ihre eigene auch, denn was sich später herausstellt, womit sie es mit ihrem Sohn zu tun hat, müsst doch ganz anders in ihrem Gesicht abzulesen sein, eine, die ewig Pech hat mit den Männern, eine, der die Männer immer weglaufen, weil sie sich widerlich verhalten.
Erst allmählich kapiert man, was die Delpy eigentlich erzählen will. Der Titel des Filmes weist drauf hin, nämlich die Geschichte von einem Sohn, der nicht von der Mutter loskommt, er dilettiert als Maler und hat über die Mutter, die Modeschauen organisiert, Kontakte.
Die Geschichte also von einem Sohn, dem die Männer seiner Mutter im Wege stehen und der vor keiner Gemeinheit und keiner Dreckstat zurückschreckt, sie zu vergrätzen, das geht vom Juckpulver bis zur Droge im Sekt und richtiggehend geschäftsschädigend wird es mit dem Einschleusen eines Virus in den Computer einer Bank bis zu deren Handlungsunfähigkeit.
Das traut man dem Bübchen nicht so ganz zu. Innerlich scheint er gar nicht dieses Verhältnis zur Mutter zu haben. Aber so wie Delpy das alles erzählt, so flüchtig sie wohl das Drehbuch geschrieben hat, geht der Schuss nach hinten los. Es kommt keine richtige Spannung auf, weil sie sich auf keinen der Charaktere einlässt.
Es gibt eine nicht weitere inspirierende kinematographische Referenz an Chris Marker. Und Karl Lagerfeld war sich nicht zu schön, sich als Spezial-Gast ablichten zu lassen und sich selbst zu schauspielern, was wenig ergiebig ist, eher fühlt man sich als Besucher eines Wachsfigurenkabinetts.