Francofonia

Der Kunst- und Kulturliebhaber, -verehrer und -bewunderer, der Russe Aleksandr Sokurov, beschäftigt sich in diesem Film als Totenbildhersteller, selbstverständllich exquisit und cineastisch, für zwei Männer, die der 2. Weltkrieg in Paris zusammengeführt hat, den deutschen Offizier und Kunsthistoriker Franziskus Graf Wolff-Metternich (Benjamin Utzerath) und den französischen Chef des Louvre, Jacques Jaujard (Louis-Do de Lencquesaing).

Metternichs Aufgabe in Paris ist die Durchsetzung des Nazi-Kulturschutzprogramms, daher kommt es zur Zusammenarbeit und Begegnung der beiden. Wolff-Metternich findet an einer Stelle, der Franzose sehe oft sehr angespannt aus.

Parallel zu diesen kinematographischen Totenbildchen fertig Sokurov ein Selfie von sich und seiner Arbeit an diesem Film in perfekter Beherrschung des philosophemisch-reflektiven Bild-Collagen-Formates an, das sich zusammensetzt aus Aufnahmen aus dem heutigen Paris (Drohne über Paris: wo ist der Louvre?), Archivfootage aus der Kriegszeit (Einfahrt der Nazis ins leere Paris), Spielszenen, Aufnahmen aus dem Arbeitszimmer von Sokurov, Louvre-Impressionen, die Mona Lisa, aber auch unterirdische Gänge aus dem Komplex, historische Fotos.

Sokurov stellt sich als Künstler dar, der erstens selbst anhand von Bildnissen aus dem Louvre über die Kunst des Portraits nachdenkt, die die Europäer erfunden haben und was wohl aus ihm, dem Filmemacher, geworden wäre, wenn er diese Schulung und Bildung nicht durchgemacht hätte.

Sokurov stellt sich auch als Künstler dar, der am Krieg und dessen Gräueln verzweifeln möchte, wundert sich gleichzeitig darüber, dass er für die bildende Kunst und die Malerei einen fruchtbaren Nährboden bildet.

Dazu gehören Aufnahmen aus dem Louvre, von seinen Innereien, immer wieder Spielszenen dazwischengeflochten, Napoleon und Marianne sind im vom Publikum entleerten Louvre unterwegs. Sie charakterisiert er mit Schlaglichtsätzen, Napoleon sagt immer wieder „c’est moi“ und Marianne rezitiert flehentlich die Forderung nach „liberté, égalité, fraternité“ – das kann durchaus satirisch gelesen werden.

Einen untermalenden Begleitakkord bilden die frequenten Skype-Gespräche von Sokurov mit dem deutschen Kapitän Kirk, der mit einer Ladung Container auf schwerer See unterwegs ist; Sokurov ist besorgt und bekümmert, weil auch Gemälde zur Ladung gehören.

Und ab und an muss es eine Filmklappe als Schnittmaterial tun. Schmerzen bereiten Sokurov auch die Toten, Tolstoi, Tschechow, nein, die sind nicht tot, die können nicht tot sein, die schlafen sicher nur, beschwichtigt er.

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