Bengasi liegt am Mittelmeer am nördlichen Rand der Sahara. Keine grüne Stadt. Aber an einer Stelle zeigt uns die Luftaufnahme mitten im Grau der Häuser und der Wüstenei intensiv grünen Rasen rund um einen Swimming Pool vor einer Villa, ein exklusiver, auch exklusiv gesicherter Ort im Libyen nach dem Sturz Gaddafis und auf dem Wege zum „failed state“, also dem Verlust jeglicher staatlicher Ordnung und Sicherheit.
Dieser Film von Michael Bay nach dem Drehbuch von Chuck Hogan, der wiederum den Roman von Mitchell Zuckoff zur Grundlage hatte, berichtet uns mit ungeheurer Wucht und tosenden Lärm – damit Black-Hawk-Down von Ridley Scott in den Bereich eines Freizeitparkes verweisend – über 13 chaotische Stunden im Leben einiger CIA-Agenten in diesem Bengasi, Agenten, die es offiziell nie gegeben hat und die offiziell nie in Libyen unterwegs gewesen sind und sich gerade mit mehr oder weniger heiler Haut retten können.
Die Villa mit dem knallgrünen Rasen ist die Bengasi-Residenz des amerikanischen Botschafters. Am Schluss des Films hängt trübe eine amerikanische Flagge im Wasser mitten im Müll, der sich im Pool vor der verwüsteten, ausgebrannten Villa gesammelt hat.
Die Tatsachen sind bekannt. Bei diesem von Amerika nicht erwarteten Angriff ist der in Libyen beliebte amerikanische Botschafter Stevens zu Tode gekommen. Michael Bay nimmt dieses traurige Kapitel neuerer amerikanischer Geschichte zum Anlass, es in einer Art Frontberichterstattung nachzuerzählen und zwar im Gegensatz zu Ridley Scott mit Black Hawk Dawn, der nur so vor patriotischer Heldenverehrung triefte und darum in Europa keinen Fuß auf den Boden bekommen konnte – außer von Kritikerseite -, in der Art einer Kriegsreportage, die nichts verhehlen will.
Auch nicht die Mission, die es offiziell gar nicht gegeben hat. Die hat ihre Basis in einem weiteren hochgesicherten Anwesen, ganz ohne frisches Grün und am Rande eines staubigen Palmenhaines, so unauffällig wie möglich.
Es geht um CIA-Agenten, die diesen Status nicht haben, die ihre Eheringe auf dem Flug zu ihrer Mission in Bengasi abnehmen. Diese anwesend nicht anwesenden Geheimdienstler sollen versuchen, auf den Schwarzmärkten Waffen aus dem Nachlass Gaddafis, der vom Westen bestens mit Rüstungsgütern versorgt worden ist, aufzuspüren, um zu verhindern, dass sie in Terroristen-Hände fallen.
Mit Gaddafis Ende, auch das wird kurz memoriert, wie er aus der Kanalisationsröhre hervorgezogen wird, ist jegliche staatliche Ordnung zusammengebrochen und es ist schwierig geworden zu unterscheiden, wer ist Feind, wer Freund, noch schwieriger ist es für Amerikaner in einer nicht existierenden Mission, und die auch noch kein Arabisch sprechen und sich auch im Land nicht auskennen.
Das ist hautnah mitzuerleben mit den paar Agenten, die Bay als seine Hauptfiguren etabliert und mit denen wir diese Hölle erleben.
Der schöne Leitsatz eines der Kerle, die alle prima gecastet sind und auch so spielen, Männerdarsteller in Reinkultur, man habe von allem, vom Himmel und von der Hölle, das als existenziell menschliche Definition.
Das Schöne, die Familie, die schneidet Bay souverän kurz dazwischen mit Skype-Situationen oder mit knappem Einschub von Fotos der geliebten Familie.
So eine chaotische Hölle ist auf der Leinwand als Megafeuerwerk höchst ergiebig, am Rande der Sahara können Schießereien gar einen Hauch von Poesie entwickeln.
Hektisch aufgeladene Atmosphäre und sehr laut wird es auch im Kino auf ausdrücklichen Wunsch des Regisseurs, nichts für empfindsame Ohren also. Ab und an wundert man sich, dass die stärkste Armee der Welt, und wie weltumspannend sie Basen, Stützpunkte, Kommandozentralen und vor allem Überwachungs- und Lauschsysteme hat, ist auch hier im Film zu sehen, in Tripolis, in Italien, in Stuttgart, sowieso Langley und das Pentagon und dazu die Drohnen mit ihren Echtzeitaufnahmen, und da wundert man sich, wie verwirrt und Durcheinander so eine Truppe plötzlich agiert.
Eine Art Schlagzeilenrevival, ein rekonstruierter Frontbericht angereichert mit spektakulären Effekten, die im realen Chaos nie so schön komponiert und rammassiert vorkommen dürften, also in real viel gemeiner wären. Hell and Heaven.
Gut verständlich: alle realiter Beteiligten seien nach diesem Einsatz aus dem CIA ausgeschieden, ist dem Abspann zu entnehmen.
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