Eine freie, unabhängige Presse, Print, taugt eben doch zu was. Und wenn sie hartnäckig recherchiert, kann sie einen Scoop landen. Das ist gut fürs Geschäft, gut für die Gerechtigkeit und gut für die Demokratie.

Der Boston Globe hat anfangs des neuen Jahrtausends das System der Vertuschung von Missbrauch, das die katholische Kirche entwickelt hat, mit einer hartnäckigen Recherche und gegen verbohrte Widerstände aufgedeckt. Dieses Häuflein der Unentwegten, diese Journalisten mit Berufsethos, sind die Hauptpersonen, die sich und uns die Sinnhaftigkeit dieses Unternehmens engagiert beweisen.

Tom McCarthy, der mit Josh Singer ein Drehbuch wie einen Krimi geschrieben und die Regie geführt hat, hat bei IMDb eine große Anzahl von Schauspielerauftritten vorzuweisen. Das dürfte der Grund sein, warum die Darsteller ganz uneitel, aber im Sinne einer dokumentarischen Reportage die Story mit konzentriertem Leben füllen, pragmatisch, fast wie Jäger auf der Fährte an der Sache dran bleiben, sich reinhängen – und so mit faszinierender Glaubwürdigkeit rüberkommen und den Zuschauer mit hineinziehen in diese haarsträubenden Machenschaften der katholischen Kirchenhierarchie.

Der Globe hat sich entschieden, was zwar mühsamer war, den raffinierten Vertuschungsmechanismus von ganz oben in der Kirchenhierarchie her aufzudröseln, mit Fakten, die nicht immer leicht zu bekommen waren, zu belegen und so einen der größten Skandale um diese Institution publik zu machen.

Das ist so eine Diskussion im Film: die Ungeduld des einen Journalisten, der mit der Story nicht länger hinterm Berg halten möchte, auch aus Angst vorm Konkurrenzblatt, dem Boston Herald. Der Herausgeber findet richtigerweise, dass mit der Veröffentlichung eines einzelnen Missbrauchsfalles die Kirche fein raus wäre.

Ausgangspunkt für die Recherche ist die Info, dass etwa 6 Prozent der katholischen Priester pädophile Neigungen hätten. Das müsste für Boston und Umgebung gegen 90 Fälle ergeben. Bis jetzt sind aber, und es war schwer, einem Anwalt die Würmer aus der Nase zu ziehen, nur eine Handvoll Fälle bekannt.

Diese Erkenntnis verleiht den Nachforschungen den nötigen Schub. Schön für einen amerikanischen Film, dass einer, der gerade wieder eine neue Erkenntnis, eine neue Info hat und dann aus dem Haus in eine leere Straße hinausgeht, nicht gleich niedergeschlagen oder erschossen wird. Der Film kommt ganz ohne physische Gewalt aus, lebt von der Energie der Abteilung Spotlight, die Licht in düster abgestandene Gemächer der katholischen Kirche wirft und den Recherche-Journalismus umso strahlender dastehen lässt.

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