Der Profisport, das Geschäft und die Gesundheit, das sind Begriffe und Themen, die sich in die Quere kommen können. Denn das Siegen und der volle Einsatz, die für das Geschäft nötig sind, fordern ihren Tribut und nicht jeder Schaden ist sofort spürbar und auch heilbar.

Kein Thema allerdings, was der Sport gerne in der großen Öffentlichkeit sieht. Was wissen wir schon über die Beschwerden von Spitzensportlern nach dem Ende ihrer Laufbahn, die sie vielleicht bis ans Lebensende begleiten oder sie gar in den Suizid treiben?

Wer so ein Thema aufbringt, der legt sich mit der Profisportindustrie an, die arbeitet mit harten Bandagen, denn das Geschäft geht über den Menschen.

Das Symbol für das große Geschäft in diesem Film von Peter Landesmann, der einen Artikel von Jeanne Marie Laskas im GQ zum Anlass nahm („Gain Brain“, in etwa: Siegergehirn), ist die Football-Arena von Philadelphia, gegen die die FC-Bayern Arena in München wie eine bescheidene Primel wirkt. Die kommt immer wieder majestätisch ins Bild in imposanten Flugaufnahmen.

Der Film fängt mit den letzten, erbärmlichen Stunden des Ex-Football-Stars Mike Westler an; er ist verelendet, ein Wrack in erbärmlichen Gesundheitszustand, ein Bild des Jammers, verarmt haust er in einem Wohnwagen. Bald ist er tot.

Dr. Bennet Omalu, ein gereifter Will Smith, stellt ihn als an die amerikanischen Werte glaubenden, diese schon in seiner Kindheit in Nigeria bewundert habenden und aufrechten, hochstudierten Pathologen dar, soll die Leiche sezieren und die Todesursache feststellen.

Dr. Omalu ist Football so fremd wie einem Spatzen das Orgelspielen. So geht er unbelastet an die Untersuchung und kommt zum Befund CTE, ein Gehirntraum, das zu Alzheimer, Demenz, Depression und auch Suizidversuchen führen kann.

Landesman schneidet immer wieder Spielszenen dazwischen, die klar machen, mit welcher Wucht, auch wenn sie Helme tragen, bei diesem harten Spiel Männerköpfe aufeinanderprallen. Dass diese Schläge auf die Gehirnmasse keinen Einfluss haben, das mag glauben, wer an den Osterhasen glaubt.

Im Abspann wird zu lesen sein, dass fast ein Drittel der Profi-Footballspieler unter solchen Hirntraumata leiden.

Aus dem Club von Philadelphia erzählt der ehemalige Mannschaftsarzt, Dr. Julian Bailes, eine der letzten Rollen von Alec Baldwin, wie viele daran allein in den letzten Jahren gestorben sind. Er ist einer, der sich auskennt im Football, der aber jetzt nichts mehr damit zu tun hat, und deshalb unterstützt er Omalu.

Omalu stößt bald auf erbitterten Widerstand von Seiten der Football-Funktionäre. Solche Meldungen sind schlecht fürs Geschäft. Omalu untersucht weitere, tote Ex-Profis und kommt zum selben Befund.

Der Film von Peter Landesman erzählt Schritt für Schritt, gründlich ausbuchstabiert, und fügt auch noch eine kleine Liebesgeschichte zu einer Einwanderin aus Kenia ein, gut nachvollziehbar und sehr sorgfältig.

Kaum zu erwarten, dass die NFL in Amerika von dem Film begeistert sein dürfte bei diesem schrecklichen Befund, wenn Leute um des Geldes und des Ruhmes willen ihre Gesundheit und ihre Zukunft so leichtfertig aufs Spiel setzen. Erzählt wird das durchaus mit einem Pathos, das sich die wahren Werte Amerikas zu eigen macht.

Aber Omalu lernt auch, dass die reine Wahrheit, noch dazu in Fachchinesisch verkündet, nicht unbedingt hilfreich ist, erst recht nicht Footballfunktionären gegenüber, die mit seinem Bildungsstand nicht mithalten können; das zeigt ein spätere Rede vor Sportfunktionären, hier serviert er die Wahrheit unverbogen, aber mit Diplomatie – so wird sie leichter verträglich.

Hinterlassen Sie einen Kommentar