Florian Gallenberger, der mit Torsten Wenzel auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt uns die Geschichte einer schier unglaublich großen Liebe, der zwischen Daniel (Daniel Brühl) und Len (Emma Watson).
Die Größe dieser Liebe bemisst sich am Opfer, das Lena, eine Stewardess, für Daniel, einen Fotografen und Zeichner und Allende-Aktivisten, zu bringen bereit ist. Das grenzt ans Übermenschliche.
Allerdings ist die Größe dieser Liebe nur ersichtlich aus der Gewichtung des Verhältnisses zur Größe des Opfers, keinesfalls aber aus Drehbuch, Inszenierung und Spiel. Von daher betrachtet wirkt diese Liebe eher wie eine Absteige- und Bumsmöglichkeit für Lena in Chile. Mehr erzählen nämlich die exponierenden Szenen dieser Liebe nicht: Frühstücksspeck und Obst, rumalbern, sie schießt Fotos von ihm – die üblichen Liebesklischees, ohne dass es zwischen den beiden Darstellern funkt.
Es ist 1973. Allende ist noch an der Macht. In die Frühstückständelei von Lena und Daniel platzt die Nachricht von Pinochets Militärputsch. Zur Illustrierung des politischen Umfeldes hat ganz zu Beginn der Montagemeister Hansjörg Weißbrich in rasendem Lauf historisches Footage aneinandergeschnitten.
Daniel treibt es auf die Straße. Er will Fotos machen vom Militärputsch. Er wird von einem Kapuzenmann denunziert, verhaftet und an einem unbekanntem Ort verschleppt.
Lena erfährt gerüchteweise von der Existenz der Colonia Dignidad. Dort vermutet sie Daniel. Leichtsinnigerweise begibt sie sich dorthin und wird ohne weitere Fragen aufgenommen. Sind ihr die Folgen klar und ist ihre Liebe wirklich so groß? Denn wer dort eintritt, kommt nicht wieder raus. Die Colonia Dignidad, wie sie geschildert wird, erinnert an die Gefangenenlager in Nordkorea wie im Film Camp 14: Total Control Zone.
Hier heißt es, die eigenen Persönlichkeit am Lagereingang abgeben und geschunden werden, dem Chef, dem Deutschen Paul Schäfer zur Verfügung zu stehen. Die Schilderungen, die im Vergleich zu den Originalfotos am Schluss noch geschönt scheinen, sind alles andere als erbaulich.
Regelmäßig müssen die Insassen, die streng nach Männlein, Weiblein und Büblein getrennt sind, dämpfende Pillen schlucken, genau kontrolliert von der Oberschwester Gisela, die man sich prima als KZ-Aufseherin vorstellen könnte.
Tatsächlich befindet sich Daniel in diesem Lager. Er ist hierher verschleppt und gefoltert worden, ohne dass seine Peiniger irgend etwas aus ihm hätten herauspressen können. Mit dick geschwollenem Gesicht kommt er auf die Krankenstation. Es dauert weit über 100 Tage, bis Daniel und Lena zusammenfinden. Er heißt jetzt Hans, spielt den Deppen, der sich nicht immer ganz von der Intelligenz des Fotografen Daniel unterscheidet, arbeitet in einer Werkstätte und entdeckt ein unterirdisches Tunnelsystem und dort seinen Folterraum.
Nach Monaten spitzt sich die Lage zu. Daniel, Lena und noch eine schwangere Frau entscheiden sich, zu fliehen. Den Suspense dieser Flucht setzt Gallenberger gekonnt ein, bis die beiden Liebenden sich in letzter Sekunde, nachdem der Deutsche Botschafter sie noch an die Schergen Pinochets verraten hat, in das Flugzeug Richtung Deutschland retten können. Der befreundete Kapitän missachtet die bereits zurückgezogene Starterlaubnis und startet durch. Jetzt erst kann der Zuschauer nach diesem Horrorausflug in ein perverses, menschliches Biotop sich wieder beruhigt in den Kinosessel zurücklehnen, um einige Originalbilder zu sehen und noch Biographisches über die Übeltäter zu erfahren. Allerdings nicht, dass offenbar einige von ihnen immer noch unbehelligt in Deutschland leben.