Der Mensch stammt aus Ostafrika, ist also von Natur aus nicht auf Kleidung angewiesen und wenn schon, dann, um sich zu schmücken. Schwenk zum Amazonas, zu Ureinwohnern, die sich mit Körperbemalung schmücken; dann folgt über die Kreuzzüge, Damast, der Sprung nach Frankreich ins Zeitalter des Sonnenkönigs, des Absolutismus. Hier erst entstand der Bergriff der Mode als Standesdiktat und -privileg.
So viel zum historischen Abriss in dieser Halbstundensendung von Antje Maly-Samiralow, Redaktion Eva Maria Steimle, der unvermittelt bei der Zeitschrift Vogue landet, um diese von der Deutschlandchefin persönlich als Hohepriesterin der Mode bezeichnen zu lassen. Drum herum sammeln die Sendungsmacher Statements von Modemachern, einem Modedozenten, einer Modejournalistin, einem Kulturforscher; Statement-Blabla, der als solcher gekonnt tönt, beispielsweise, dass die Frau wegen der Aufzucht des menschlichen Nachwuchses attraktiv bleiben müsse, um die Männer lange an sich zu binden. Die Fashion-Victims finden Erwähnung, auf die Differenz zwischen Mode und Stil wird eingegangen und ein Mitarbeiter des Bayerischen Kulturministeriums definiert das Tragen des Anzuges mit dem Ernstnehmen der Leute; wieso dem so ist, warum er glaube, dass Kleider Leute machen, da hätte die Fimemacherin ja mal nachfragen könnnen.
Nachfragen oder kritischer Blick ist nicht die Methode von Antje Maly-Samiralow. Ihr Vorgehen ist es, über Mode so zu berichten, wie dieser es gefällt, als Hofberichterstattung, als reine PR, speziell hier für ras-Schuhe, Karl Lagerfeld, Chanel und das Münchner Label Talbot und eben für die gewiss nicht einzige Modezeitschrift in Deutschland, die Vogue. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der sich aus der sozial unausgewogenen Haushaltszwangsabgabe finanziert, wird hier missbraucht als PR-Instrument für die Modeindustrie und garantiert gegen seinen demokratischen Grundauftrag.
Spannender als die Sendung selber wäre zu recherchieren und darüber eine Sendung zu machen, wie genau so eine Sendung überhaupt zustande kommt, wer hier wen kennt und wer sich hier wem gegenüber womöglich verpflichtet fühlt und erkenntlich zeigt.
Dass das Ulrich Wilhelm, dem unter dem Spardiktat agieren müssenden Intendanten des BR, entgangen ist, zeigt, dass er seinen Laden in Hinblick auf Einsparpotential noch lange nicht im Griff hat.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.