Kind-Hund-Bergfilm, die Fortsetzung des charmanten wie fernverträumten Belle & Sebastian, Lassie-, Heidi- und Flugzeugabsturzkatastrophenfilm in einem.
Der zauberhafte Vorgängerfilm spielte im Zweiten Krieg. Im Dreiländereck Frankreich/Italien/Schweiz ging es darum, Menschen vor den Nazis in die Schweiz zu schleusen. Unser Protagonist Sebastian, ein Gemälde von Bergbub und sein Hund, ein weißer Flokatischaumtraum, haben die Widerstandskämpferin Angelina hoch in den Bergen zur Schweizer Grenze gebracht und damit in Sicherheit vor den Nazis.
Jetzt ist der Krieg vorbei. Angelina fliegt mit einer amerikanischen Militärmaschine zurück und will sich bedanken, stolz will sie auch erzählen, dass sie Nazis getötet habe.
Geschichte und Politik spielen bei Regisseur Christian Duguay, der ein Buch von Juliette Sales und Fabien Suarez als Drehgrundlage hatte, immer einer Rolle, was ein Blick auf seine Filmographie zeigt: von Wilhelm Tell geht es über Jeanne d’Arc, über die Kunst des Krieges und Boot Camp bis zu Hitler, Päpste kommen vor und Anna Karenina. Im ersten Sebastian/Belle-Film um den 2. Weltkrieg und seine Folgen in den Alpen, die mit einem Schneesturm und dem Gang über eine Eisbrücke starke Action entwickelten.
Jetzt nach dem Krieg im September 1945 im Bergdorf Saint Martin muss, da Friede ist, die Action woanders herkommen. Erst kindlich-spielerisch, statt zur Schule zu gehen treibt sich Sebastian bei der Heuernte auf den Alpen herum, nicht helfenderweise sondern mit einer riskanten Schlittenfahrt bis an den Rand eines Felsabsturzes: Belle rettet ihn, womit ihre Topqualität eingeführt ist.
Friedenszeiten schützen vor Katastrophen nicht. Das hat genau diese Gegend Frankreichs im Frühjahr 2015 bewiesen mit dem Absturz des German Wings Selbstmordpiloten und seiner Maschine mit den vielen Schülern aus Deutschland.
Ganz so grausam wird dieser Kinderfilm nicht. Die Maschine, in der Angelina, Margot Châtelier, sitzt, stürzt ab und löst einen Waldbrand aus. Sebastian ist überzeugt, dass Angelina überlebt hat. Er bedrängt seinen Ersatzvater, den knorrigen César, Tchéky Karyo, sich auf die Suche zu machen. Der ist nicht begeistert, denn der einzige, der ihnen helfen könnte, ist „der Andere“, Pierre, Thierry Neuvic, denn der hat ein kleines Flugzeug und sei sowieso ein guter Flieger.
Ein Hindernis für dieses Abenteuer ist nach Meinung von César die Tatsache, dass dieser Pierre der leibliche Vater von Sebastian ist, was dieser aber nicht weiß. Wie die beiden sich durch die gemeinsame Suche einander annähern, das ist psychologisch schön nachvollziehbar geschildert in der Handschrift souveräner französischer Filmkultur.
Überhaupt richtet Duguay seinen Plot mit aller Kunst der filmischen Schönzeichnung von Bub und Alp und Hund und Murmeltier und Hase und alpiner Flora und Flug an, dick schön wie nur geht, aber nie die Grenze zum Kitsch überschreitend und vor allem extrem physischer, also lebendig-glaubwürdiger Figurzeichnung.
Wie zum Greifen lebendig wirken die Menschen auf der Leinwand. Und auch hier gibt es gegen Ende zünftig Abenteueraction, dieses Mal gilt es, einen Feuersturm zu überstehen. Die Suche nach Angelina mit dem Flugzeug artet in turbulente Action aus, wie mehr kaum vorstellbar ist in einem Kinderfilm, denn Sebastian hat sich mit Belle ins Flugzeug geschummelt und ist überhaupt nicht zufrieden mit der oberflächlichen Suche von Pierre und streitet sich mit diesem um den Steuerknüppel mit fatalen Folgen.