Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs

Die unbeschwerten, bunten und schrillen Sommerferien in dem Teen-Alter, wo der junge Mensch physisch schon deutlich Mann oder Frau ist, die Rolle aber noch sucht, die Zeit in der noch platonische Unschuld herrscht bis zum ersten Kuss.

Der absehbare Zusammenstoß der Geschlechter wird bereits im Titelzusatz zielstrebig animiert, ein Flugzeug mit dem Schriftzug „Mädchen“ im Schlepp rast ungebremst (Propellertempo, nichts ist richtig bös hier, nichts ist hinterhältig oder dann wird es versöhnlich gelöst) auf ein Flugzeug (ebenfalls Propellertempo) mit dem Schriftzug „Jungs“ im Schlepp aufeinander zu. Wenn der Crash erfolgt, den wir hier als ersten Kuss interpretieren, dann dauert es nicht mehr lange bis zum Ende des Filmes, nur noch so lange bis Detlev Buck, der mit Bettina Börgerding auch das Drehbuch geschrieben hat, sich vom Dreh trennen kann und diese weitere Bibi & Tina-Geschichte zu Ende geht. Vorläufer: Bibi & Tina – Der Film).

Buck perfektioniert hier, was er schon im Vorgängerfilm angelegt hat, dieses besondere Genre des Coming-of-Age-Films im Rahmen des Sommer-Zelt-Lagers: alles einen Tick zu dick aufgetragen, und da es ein Prinzip ist, vom Spiel, von der Ausstattung, der Farbgebung, der Charaktere her, hat es also Methode und in diesem Falle auch Charme. Eine Portion Wild-West-Romantik, eine Portion amerikanisch überrissenes Spiel, und dann wieder eine emotionale Situation nutzen, um einen Song draus zu machen.

Die klischiertesten Rollenbilder kommen am Anfang vor: die Jungs sind harte Rugbyspieler und die Mädels üben sich als Majoretten. Ein Außenseiter ist auch dabei, Urs, der sich mit anderen Außenseitern zu einer Gruppe zusammentut, wie es um das Hauptthema des Filmes geht, die Schatzsuche, die Sternsuche und dem Teambuilding dafür.

Und – schöne filmhistorische Referenz ans französische Kino – ein Junge aus Frankreich stellt sich vor als Francois Truffaut, jawohl der Enkel, dieser Francois hat aber im Vornamen noch den Zusatz Pierre.

Alle Figuren kommen liebenswürdig skurril rüber, besonders der Waldschrat (der creepy Hippie) mit seiner Frau und seiner Kenntnis besonderer Ernährung, auch die ist ein Song wert, in dem viel Om vorkommt.

Von seiner geistigen Haltung her bleibt Buck in der Nähe der Lebensbejahung christlicher Jugendgruppen plus Klampfenromantik, wo die Liebe noch unschuldig ist – pastorales Jugendarbeitskino. Hamburger Humanethik versehen mit prima Swingrhythmus und Begeisterung für alle Gewerke beim Film, die im Zusammenwirken die Besonderheit eines Filmes ausmachen.

Nebst dem Spannungsbogen der Schatzsuche gibt es Alltagsszenen: die Zusammenstellung der Teams für das Spiel, Waschen, Deodorieren und Schönmachen, wer schläft in welchem Zelt, Kochen, spülen, nächtliche Aktivitäten und immer dabei die Themen der Jugend, angetippt, leicht und tief zugleich, nie aber existentiell oder bösartig.

Allerdings kann es zum Problem werden, wenn Bibi ihre Hexenkräfte verlassen. Und wie ein Liebeserklärungssymbol passiert ab und an ein Feuersalamander die Leinwand.

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