Anomalisa

Stop-Motion-Film über Mauerblümchensex.

Was ist normal, was ist nicht normal, was ist human, wie unterscheidet sich der Mensch vom Roboter – besonders wenn er wie in diesem Film von Charlie Kaufman als roboterhafte Puppe animiert ist.

Ein spießige Geschichte, aber so entfremdet durch die Animation (Nähe zur Hotelserie von David Lynch oder die Hotelflure zumindest an Shining von Kubrick), dass sie einen ganz eigenen Blick auf dieses maschinenhaft und doch so gewöhnlich Menschliche wirft.

Ein Autor, der verheiratet ist, einen Sohn hat, in Arcana wohnt, ist unterwegs nach Cinncinnatti, ist im Flugzeug, dann in der Taxe, dann im Hotel.

Roboterhaft passieren die Sätze. Er bezieht sein Zimmer, ein Boy begleitet ihn, gibt ihm die genauen Erklärungen zur Eismaschine und zum Zimmerservice. Er hockt in seinem Zimmer, Raucher, guckt aus dem Fenster, sieht im Block gegenüber einen Typen sich am Computer einen runterholen. Einsamkeit und keine Freunde.

Der Autor übt sein Referat für den folgenden Tag, es geht um Freundlichkeit den Kunden gegenüber, sie als Menschen zu behandeln – mit stereotypem Lächeln.

Er hat den Brief einer Liebschaft von vor zehn Jahren. Ruft auch bei Bella an, die in Cinncinnati wohnt. Trifft in der Hotelbar Emma und Lisa. Lisa ist das Mauerblümchen, das seit 8 Jahren keinen Sex und keine Liebe mehr gehabt hat. Die beiden Frauen sind extra wegen ihm nach Cinncinnatti gereist wegen dem Vortrag. Sie sind Fans von ihm. Sie können es kaum fassen, ihn persönlich kennenzulernen.

Er steht auf Lisa. Die Normalste unter den Normalen, die sich so unnormal vorkommt. Die beiden Frauen können sich den Trip eigentlich gar nicht leisten. Aber nun verschleppt Michael Stone, so heißt unser Protagonist, Lisa aufs Zimmer. Er verführt sie in ganz altmodischer Art, langsam und mit viel Ziererei ihrerseits. Bis die beiden in herrlichstem Sexgestöhn versinken wie kein professioneller Pornofilm es ernsthafter bringen kann.

Er wacht mit einem Alptraum auf, der Manager zitiert ihn, wobei er ihm nur seine Liebe erklärt. Lustig auch, dass die meisten Figuren von Männerstimmen synchronisiert sind, nur Lisa wird von einer Frau gesprochen und auch gesungen. Der Vortrag von Stone gerät aus den Fugen. Irritation als Hinweis auf Restmenschlichkeit.

Die Figuren haben, nicht in allen Bildern, einen merkwürdigen Sprung im Gesicht, wie von einer Verschalung. Im Vortrag geißelt Stone unvermittelt die Kriegstreibereien des amerikanischen Präsidenten, ein vereinzeltes Buh ist die Reaktion.

Dann war alles nur ein Traum, ein Alptraum, eine Fantasie-Anomalie, wie er wieder nach Hause fliegt und dort die vesammelte Familie auf ihn wartet. Der Sohnemann ist enttäuscht, dass er als Mitbringsel eine mechanische, japanische Geisha-Puppe erhält, die ein wehmütiges Lied von Freundschaft singt.

CinnCinnCity und das Chili.

Die modernen Lebenstereotypien unterlaufen, vorgetragen und unterlaufen.
I love to be new. Liftknopfdrückspiel mit Lisa und Emmy.
Schönes Plakat, überdeutlich lange zu sehen für den Zoo von Cinncinnatti: it’s zoo sized.
Schmerz, Liebe, Menschlichkeit und das Bedürfnis nach Tränen.
Der amerikanische Präsident ist ein Kriegsverbrecher.

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