Gut zu Vögeln

Simon (Max Giermann), kein Beruf, zieht wegen Heirat aus seiner Männer-WG in Berlin aus. Zurück bleiben der schwule Türke Nuri (Samy Challah), auch kein Beruf und Jacob (Max von Thun), Barkeeper und Erfinder eines Sprühkondoms, das vermutlich witzig gedacht ist von den drei Drehbuchautoren Judith Bonesky, Friedrich Oetker und Mira Thiel, welche auch die Regie zu führen versucht hat, erinnert in etwa an das Lesen im ersten Lesealter, alles schön deutlich, Silbe für Silbe durchbuchstabiert.

Auf der Suche nach Ersatz für Simon veranstalten Nuri und Jacob ein WG-Casting. Die Typen, die sich melden, sind von Drehbuch- und Regie her bestimmt als witzig angedacht. Zumindest dürfte das Masken- und Hairstyling-Department das so verstanden haben; diese sind mit deutlichen Spuren hochaktiv gewesen, das wird sich im Film fortsetzen.

Bevor sich Nuri und Jacob für jemanden entscheiden, schwatzt ihnen Simon seine Schwester Merlin (Anja Knauer) als neue Mitbewohnerin auf. Sie hat einen Beruf, ist Klatschreporterin und ist kurz vor der Hochzeit von ihrem Bräutigam, einem Filmproduzenten, sitzen gelassen worden.

Merlin wird charakterisiert durch häufige Flatulentien und Weinanfälle. Jakob krampft sich einen GV mit ihr ab, nachdem sie ihm den von ihm erfundenen Verhütungsspray aufgesprüht hat – der muss deutlich lustmindernd wirken.

Jakob und Nuri wollen mit Simon auf dem Ballermann in Mallorca dessen Jungesellenabschied feiern. Merlin fliegt mit. Später taucht auch die hochschwangere Frau von Simon auf und bringt ihr erstes Kind mitten im Discotrubel auf Mallorca zur Welt; auch das ist vermutlich ein von den Autoren Judith Bonesky, Friedrich Oetker und Miera Thiel witzig gedachter Gag, der wie viele andere in diesem Film mangels Berufs- und Lebenserfahrung diverser beteiligter Gewerke, bemüht und angestrengt rüberkommt.

Zu berichten ist noch, dass Miriam inzwischen schwanger ist wegen des Spraykondoms. Deshalb geht eine Wandlung mit Jakob vor sich, der ein verantwortungsvoller Vater werden wird. Die Wandlung illustriert der Film damit, dass er zum ersten Mal sauber macht in der WG.

Der Film ist nicht komplizierter oder tiefer als hier beschrieben.

Je schwangerer die Frauen in diesem hochsubventionierten Film, desto melancholischer wird die Musik, die damit zum Besten wird, was es über diesen Film zu berichten gibt.

Warum Max von Thun die Hauptrolle zu spielen bekommen hat, bleibt ein Rätsel. Er mag als Musiker mit einfachen Liebessongs überzeugen, so einfach gestrickt wie der Film, „ohne Dich schlaf ich heute Nacht nicht ein, ohne Dich komme ich nicht zur Ruh“ – und das reimt sich auf? richtig! – „das einzige, was ich will, bist Du!“ Es bleibt zu vermuten, dass es nicht wie bei der Aufnahme neuer Mitglieder in die WG, ein Casting für diese Hauptrolle gegeben hat.

Viele bekannte TV-Namen haben sinnfreie, weiter nicht erwähnenswerte Gastauftritte und sich damit ein kleines Taschengeld auf Kosten von MBB Medienboard Berlin-Brandenburg, Filmförderungsanstalt FFA und Deutschem Filmförderfonds DFFF dazu verdient; selig seien diese Filmförderer, denn sie wissen offensichtlich nicht, was sie tun, was unter ihnen passiert: Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin MBB, Vorstand Peter Dinges von der FFA und Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, DFFF.

Es gibt eine ausführliche Ausparkszene mit einem kleinen Auto in großer Lücke (Frau am Steuer), war vor Jahrzehnten, als Frauen noch diskriminiert werden durften, bestimmt lustig war. Die Tragik an so einem Drehbuch, das mit solchem Geistesschrott handelt, ist, dass es von den staatlich finanzierten Förderern ernst genommen wird; was wiederum erhebliche Zweifel an ihrer Zurechnungsfähigkeit nährt.

Einmal stochert Max von Thun lustlos an seinem Fahrrad herum und man sieht ihm an, dass er auf den Dialogeinsatz seiner Partnerin wartet. Wirkt so unbedarft wie die Arbeit der Autoren an diesem Drehbuch, was den Namen und die Förderung nicht verdient.

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