Legend

Hier sticht Tom Hardy sich selber aus, wie heißt es doch, Tiere, Kinder und Verrückte stehlen allen anderen die Show.

Tom Hardy als Hauptfigur Ronnie Kray, Knallcharge mehr geht nicht, Physiognomie wie Parkinson, stechender Blick, Unberechenbarkeit seiner Handlungen, aggressiv seine Schwulität postulierend und praktizierend, Brille, verlangsamte Sprechweise, dagegen kommt derselbe Tom Hardy (Mad Max: Fury Road, Kind 44, The Drop – Bargeld, No Turning Back) als dessen Zwillingsbruder und Gangstergehirn Reggie nicht an.

Die Geschichte von John Person, nach der Brian Helgeland das Drebhuch geschrieben und die Regie geführt hat, richtet sich nach einem historischen Vorbild. Die Zwillingsgangster die sich in den 60ern daran gemacht haben, ganz London zu beherrschen, Clubs, und weiß nicht was, so genau wird das nicht detailliert, bis hin zum Verscherbeln von geklauten Papieren aus Amerika. Sie kommen aus dem Süden von London und machen sich den Norden untertan.

Eine Geschichte, die parallel mit dem kürzlich in die Kinos gekommenen Black Mass läuft, dort Boston, hier London. Dort Johnny Depp als Kopf, dessen Bruder allerdings kein Zwillingsbruder, aber Senator ist, hier ein Tom Hardy, der als Reggie gegen Johnny Depp antritt, gewusst oder nicht, und der in diesem Fall den Kürzeren zieht, weil sein Hauptproblem doch vor allem darin bestanden hat, zwei ganz klar differenzierte Charaktere zu spielen, die im Extremfall sich sogar schlägern (wobei die Schlägereien insgesamt nicht so grandios inszeniert sind).

Diese Aufgabe hat Tom Hardy meisterhaft gelöst, grandios und er beschäftigt damit den Zuschauer mehr, als der Geschichte gut tut. Da Hardy im Ron die statische Miene schon verscherbelt hat, muss Reggie agiler im Gesicht sein, auch die Stirn runzeln, was ihr allerdings den unbedingten Willen zum Gangstersein schwerer verkäuflich macht.

Ähnlich wie in Black Mass scheint auch hier die Intention der Macher gewesen zu sein, eine nicht balladenhafte Ballade des Gangstertums zu erzählen; wobei hier die Kamera nicht so sehr das einprägsam Fotoalbumhafte im Sinne hat wie in Black Mass.

Bremsend wirkt, dass der Regisseur viel Augenmerk auf verlangsamte Gangsterbewegungen und Gesten (mit einem Hang zur Blasiertheit) insgesamt gelegt hat, was die Angelegenheit ebenfalls in die Nähe portraithafter Statik bringt.

Noch merkwürdiger wirkt allerdings, dass der Film aus der Sicht der Ich-Erzählerin Frances, Emily Browning, erzählt wird. Sie ist die Schwester von Reggies Fahrer, ein Püppchen, das wenig Eigenleben entwickeln kann, außer dem Gewissensfaktor. Sie möchte zuerst raus aus den einfachen Verhältnissen des Stadtteils, aber wie es den ersten Toten gibt, da will sie nicht mehr mittun.

Der Film kündet vorzeitig ihren Tod an mit einer musikalischen Referenz an die bekannte Trauermarschmelodie. Ihren Exitus verdankt sie Tabletten, die sie und auch Reggie schon früh im Film zu nehmen anfangen. Trotzdem fungiert sie weiter als Ich-Erzählerin, die noch etwas von Gespenstern berichtet. Ein Bericht vom Himmel vielleicht.

Bei aller musikalischen Leichtigkeit, die der Film auf der Tonspur zu vermitteln versucht, vermisst der musikalische Laie schmerzhaft einen Hinweis auf die Beatles, an denen in jener Zeit niemand vorbeigekommen ist.

Dem Filmemacher scheint oft das bildliche Arrangement und der Habitus der Figuren wichtiger, als der stets vorhanden Draht zum Flow der Geschichte, wobei besonders der Kamera dieser Zusammenhang oft nicht bewusst scheint durch ihre Präokkupation mit dem Arrangement. Eine illustrierte Gangsterhommage.

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