Das Glück der Familie, die am Ende aus dem Film reitet, baut auf Krieg, Vertreibung, Flucht, Vergewaltigung, Kopfgeldjagd, Leichen über Leichen und einer schicksalshaften Dreiecksbeziehung aus Mangel an Information über den Verbleib des Partners, wie es im Zeitalter der Social Networks kaum mehr denkbar ist, aber im 19. Jahrhundert im amerikanischen Westen eine bittere Wahrheit.
Gavin O’Connor hat in diesem kunstvoll kunstgewerblichen Western die Regie geführt nach dem Drehbuch von Brian Duffiel, Anthony Tambakis und Joel Edgerton, einem angesagten Filmmenschen sowohl als Autor wie als Schauspieler.
Auch hier spielt Edgerton wieder eine zwielichtige Figur, wie schon in The Gift oder auch in Black Mass. Die Titelfigur Jane, Natalie Portman, braucht die Hilfe von ihrem Ex Dan Frost (Egerton). Sie weiß offenbar auch, ihn zu finden. Denn ihr aktueller Lover Bill Hammond (Noah Emmerich) wird von der Bishop-Bande gejagt, kommt angeschossen in das einsame Zuhause ganz hinten in einem Talkessel in New Mexiko.
Die Bishop-Bande ist ihm auf der Spur. Er war selber früher Mitglied, hat sich dort Jane gegenüber als Held erwiesen und da sie die Info hatte, dass Stan tot sei, sich ihm ohne Skurpel zugewandt und von ihm ein Töchterchen zur Welt gebracht. Das andere Kind aus der Beziehung mit Stan sei tot, ist ihr versichert worden.
Der Zuschauer bekommt all diese Info tröpfchenweise und mit schnell dazwischen geschnittenen, knappen Rückblicken serviert. So dass die Dreiecksbeziehung (Hammond, Dan und Jane) und das Problem, dass sie jetzt den Ex zum Schutze ihres verwundeten Mannes braucht, über eine Phase des Filmes wie das zentrale Problem erscheint, konfliktbeladen in einer Situation fernab von Stadt und Hilfe und im Bewusstsein, bald schon zur Zielscheibe der Bishop-Bande zu werden.
Bloss, der Konflikt wird nicht ausgetragen. Er blitzt in einigen Dialogen, die geschickt zwischen acktionreichere Szenen gemengt werden, angesprochen. Die beiden Herren sind sich nicht grün. Es wird sich herausstellen, dass es eben keine klassische Rivalensituation ist und die Dame kann die Herren ausspielen, denn die Situation ist lediglich durch Informationsdefizite entstanden, ein Missverständnis.
Der heldenfhafte und doch kein Vertrauen erweckende Stan – vielleicht weil er seine Bewegung so ökonomisch reduziert? – hat sich eh entschieden, Jane und ihrem Mann zu helfen in bereitwilliger Akzeptanz seines Verlierer-Schicksals.
Klar ist, dass die Bishop-Bande aufkreuzen wird, dass es zu Schießereien kommen wird. Und auch das Dreiecksproblem wird auf diesem Wege elegant gelöst. So dass nach viel gutem Kunsthandwerk, vielen malerisch arrangierten Bildern, die genügend Material für jede Menge Close-Ups hergeben, und einem beruhigenden Polster praller Kopfgeldprämiensäcke das neue Familienglück sich auf die Kutsche in Richtung sorgloser, glücklicher Zukunft schwingen kann.
Trotzdem konnte auch dieser neue Western mir nicht plausibel machen, was für die Filmleute der Reiz daran sein soll. Er wirkt epigonenhaft, dazu die deutsche Synchronisation, die schier vor Kunsthandwerk und Blasiertheit platzt; epigonal. Es gab mehrere Versuche in den letzten Jahren,in Neu-Seeland oder von den Coen-Brothers (True Grit), in Südafrika. Keiner war befriedigend. Die Filmemacher scheinen Vergangenem nachzuzuhängen, was uns Heutigen kaum was erzählt.
Vielleicht hilft die Geschichte vom Affenbaum und vom Löwen, die am Anfang erzählt wird, das Rätsel zu entschlüsseln.
Filmische Nabelschau – wie schön wir das können, wie gut!