Die Vorsehung – Solace

Hier irrlichtern verschiedene Hellseher umeinander herum und hintereinander her und bauen, versehen mit stylish und schnell ineinandergeschnittenen, wobei der Stil wohl wichtiger ist als der Inhalt, Visionen nach vorn und nach hinten und nach nebenan.

Es fängt spannend an. Das FBI steht vor einer Reihe von Mordfällen, die ähnliche Merkmale aufweisen. Der Begriff des Sterbehelfermörders steht im Raum. Denn der Täter bringt nur Menschen um, die todkrank sind.

Darüber weiß der Massenmörder hellsherisch Bescheid noch bevor es die Patienten selber, die Angehörigen, die Ärzten oder die Polizei es wissen. Bei einem Buben, bei dem der Tod ein besonderes Drama ist, wird auf Anraten von John, Anthony Hopkins, mittels Sektion ein erbsengroßer Tumor im Gehirn entdeckt.

Hopkins, der Hellseher mit einer Miene wie beim Schweigen der Lämmer, das ist eine bewährte Methode. Er muss nur den Kopf ruhig halten; der Cutter zeigt einen schnellen Bildverschnitt der Visionen.

Lustig wird’s mit der Hellseherei, wenn der Kollege, der verdammt gut aussehende Jeffrey Dean Morgan als Joe (man möchte ihn direkt als Herausforder von Clooney für eine Kaffeewerbung engagieren, dieser ruhig ausgeglichene, männliche Gang, dieses in sich ruhende Timbre, das häufige Grinsen auf braun gebranntem Teint) Hopkins zur Hilfe holt und dieser mit Joes Kollegin, Abbie Cornish als glatte, strenge Katherine, dem hellseherischen Massenmörder auf der Spur ist, sie ihm hinterherfahren und Hopkins außer Sicht weiß, wo sie ihn einholen können. Verfolgungsjagd unter Hellsehern. Wer weiß mehr.

Der Film fängt sehr ordentlich an. Exponiert das Hellsehertum mit einer Szene, wie Joe und Katherine den pensionierten John zum Mittun überreden wollen. John weiß schon wie er nur das Anklopfen hört, wer vor der Tür steht und sagt gleich ab. Ein bisschen Spannung muss ein. Man könnte es auch Geplänkel nennen, sollen wir den Film anfangen oder nicht.

Dann zerfaselt sich das anfangs spannende Prinzip, denn es scheint so eine Zufallssache zu sein, wie weit die Hellseherei geht, weil auch diese ihre Grenzen hat, löchrig ist, Spiel des Zufalls, wann sie funktioniert, wann nicht. Dadurch entschwindet die Spannung in einem möglichen Strategiespiel: wie kann ein Hellseher den anderen überlisten.

Traurig, dass der überaus schöne Mann Joe ungefähr bei Halbzeit erschossen wird, nett, dass man ihm eine dramaturgisch nicht weiter ergiebige Beerdigungsszene gönnt.

Es gibt rein illustrativ und ohne jedes dramaturgische Need eine traumhaft schöne Szene mit einer Frau im knallroten Kleid, die sich in einer freistehenden Badewanne, die mit Blumen übersät ist, hellserisch womöglich, auf ihre Ermordung vorbereitet (diese Lesart ist gewiss nicht zwingend, aber sie kann sich einem im Nachhinein betrachtet aufdrängen). Aber die Szene ist eben nur schön und hat wenig zu tun mit dem Thema Hellseherei und Kriminalistik, die sich mit einem hellseherischen Massenmörder beschäftigt, der noch dazu Mitleid heischt, weil seine Opfer eh schon dem Tod geweiht sind.

Den hellseherischen Massenmörder Charles spielt Colin Farell als einen interessanten Typen, der den Eindruck erweckt, er wisse, was er tue, aber dem Zuschauer plausibilisieren kann er dieses Tun nicht.

Die Bilderströme der Intutition stellt der Regisseur Afonso Poyat smart her. Die Drehbuchautoren Sean Bailey und Ted Griffin lassen Hopkins einmal einen Transgender-Witz erzählen, auf den später noch referiert wird, einzig aus dem Grund, weil Joe das verlangt. Hat nichts mit dem Thema Vorsehung zu tun. Poesie um der Poesie willen behauptet die Szene, in welcher der detektivisch und der mörderische Hellseher sich begegnen und wie im Schulunterricht unisono ein Gedicht rezitieren – auf einer Wellenlänge.

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