Der Titel dieses Fernsehfilmes von Mica Stobwasser und Luis Saul ist irreführend. Er wirkt wie eine Werbung für den Staat Israel, hört sich so an, als werde hier die Ess- (und im Untertext die Staats-)räson von Israel propagiert. Das ist gerade nicht der Fall. Hier wird eine private Initiative dokumentiert, die „Chiefs for Peace“, eine Köche-Gruppierung, die auf einen Frieden mit den Feinden Israels hinarbeitet über die Freude am guten Essen unterschiedlichster Provenienz ohne Rücksicht auf den ideologisch-religiösen Hintergrund, während die Staatsräson Israels auf Unversöhnlichkeit, Rache und Zweiklassendemokratie setzt.
Die Filmemacher führen uns mit einem Showtypen von deutschem Koch durch die regionale Küche: Tom Franz. Tom hat sich in Berlin spontan in eine Israelin verliebt. Er ist wegen dieser Liebe zum Judentum konvertiert und mit ihr nach Israsel gezogen. Er hat einen TV-Kochwettbewerb gewonnen. Er ist ein großgewachsener Mann und führt uns als Moderator durch eine Reihe von Küchen, vom Oasen-Kibbuz im äußersten Zipfel der Negev-Wüste bis zum Yoga-, Natur- und Kochparadies in den judäischen Hügeln.
Der Tenor ist versöhnlich, friedensstiftend, dass Köche nicht politisch sein wollen, dass sie sich nicht um die religiös-politisch-verbissenen Kämpfe kümmern wollen, dass sie sich mit ihren Küchen und den verschiedensten Herkünften gegenseitig befruchten wollen. Dass Essen Menschen verbinde.
Der Film wirkt so, als wolle er Werbung für Israel machen, indem er es von der kulinarischen Optik her als einen Ort der Versöhnung und des Miteinander darstellt, was in krassem Gegensatz zur politischen Realität steht, die nur ganz am Rande ab und an reinspielt und die Pöbler, die eine Polizeisperre durchbrechen, das sind Palästinenser.
Über die Gerichte selbst erfährt man nicht allzu viel, Tom kostet einige und findet sie meist gut, wie denn auch sonst. Immerhin: die Dominikaner-Mönche beten dafür, dass Frieden werde im Lande. Die Klagemauer muss vorkommen, obwohl die mit dem Essen grad nichts zu tun hat, außer dass der Koch Tom einmal wöchentlich dort betet – ungewiss, welchen Einfluss das auf den Gewinn des Kochwettbewerbes hat.
Biohonigdatteln von Samaa, Humus und Lammhirn in Jerusalem, dort auch Besuch in einem Gewürzladen, Kaffee und Kuchen im österreichischen Hospiz, Mittagessen im Refektorium der Mönche, Besuch auf dem irakischen Markt, Verkostung von israelischem Streetfood bis zum Fisch aus Jaffa auf Kräuterbett. Israel darf zufrieden sein mit diesem Hochglanzwerbeprospekt, der um die gravierenden Problem elegant herumkurvt.
Gelbe Karte des Zwangsgebührenzahlers wegen propagandistischer Irreführung im Titel.