Die Melodie des Meeres

Eine europäische Animationsproduktion irisch geprägt von Tomm Moore, der mit Will Collins auch das Buch geschrieben hat. Sie verschafft dem Zuschauer das Gefühl einer Reise zurück in die Wiege, in eine zauberhafte Wiege der Kindheit, einer Wiege, die von vielen Vorhängen geschützt wird, Vorhängen mit Strukturen, die in den Augen des Kindes zu Feen und Geistern sich entwicklen, die bös und lieb sein können, die die wunderbarsten, fantasievollsten Erfindungen im Kopf möglich machen und immer ist da ein Reigen von magischen Lichtern, denen man nur folgen muss oder das Haar eines Greises, eines Magiers, das einem Sicherheit gibt oder eine Muschel, die aus dem Rauschen des Meeres Geschichten erzählt, in die man hineinblasen kann und einfache Melodien kreieren, Melodien, die einen in Schlaf und in Träume wiegen können.

Bei all dem Zauber gibt es eine kleine Story. Ein Vater wohnt mit seinem Buben Ben und seinem Töchterchen Saorise auf einem einsamen Felsvorsprung mit Leuchtturm mitten im Meer. Die Mutter ist bei der Geburt des Töchterchens gestorben. Sie ist halb eine Fee. Die Oma kommt zu Besuch. Sie mäkelt am Haushalt ihres verwitweten Sohnes rum.

Saorise feiert ihren 6. Geburtstag. Sie spricht noch immer nicht. Die beiden Kinder haben einen Hund, der größer wirkt als sie und gutmütig ist, Cu. Zum Geburtstag stromern Ben und Schwesterchen und Cu in der Stadt herum, im Land. Fahren Bus. Lasssen sich rauswerfen und entdecken neue Zauberwelten.

Saorise geht verloren. Es wird abenteuerlich für Ben, sein Schwesterchen zu suchen. Denn da ist noch Macha, die wie eine Hexe wirkt, deren Gefühle erstarrt sind und die die Menschen versteinern will.

Saorise ist in der Macht von Macha. Mit Hartnäckigkeit und mit Hilfe von Cu schafft Ben es nicht nur, Saorise wieder zu befreien; auch mit Macha geht eine Wandlung vor sich; sie hat auch nur ihre Geschichte, die sie hat so werden lassen.

Die Animationen sind zauberhaft, immer in der Zwischenwelt zwischen Dekor-Strukturwelten und realen Ding- und Wesenswelten, sind wandlungsfähig.

Im Abspann sind einige der Zeichnungen in der Rohfassung zu sehen. Da geht es um das Elementare der Figuren, ihre Bewegungen, ihre Absichten. Es gibt Fratzen, es gibt Gespenster und Feengesichter, es gibt den Absturz ins Wasser, unters Wassser, ins Meer, aber immer sind da auch die Fische oder Saorise verwandelt sich selbst in einen solchen. Der Zuschauer oder Ben können sich immer geborgen fühlen wie in einer Wiege und er wird keinen Moment vergessen, wie eine erste Sicht in die Vielfalt und durchaus schon Gut-und-Böse dieser Welt zeigt, aber diese Welt ist nie direkt aggresssiv, nie direkt gefährlich, wie so oft in industriellen, amerikanischen Animationen. Immer ist irgendwo ein Licht dem man folgen kann, ein Ton, eine Welle, ein Haar.

Weltbewältigung ist möglich, auch bei schwerem Schicksal, ja ist sogar spannend, das erzählt die Geschichte auch, spannend und interessant, auch wenn Brennesseln am Wegesrand sind oder Regen fällt oder auch wenn man einer Eulenhexe begegnet. Nichts wird verniedlicht, nichts geschönt, es sind nur die Strukturen, in denen das erzählt wird, die schön sind, die der Sache den erträglichen Rahmen geben. Und was gibt es mehr Geborgenheit für ein Kind, als das Fell, mit dem es einzuschlafen und wieder aufzuwachen pflegt? Wenn so eines verloren geht, so kann und muss es wiederbeschafft werden. Der Film hat auch ein Ende. Dann kommt der Titel „The End“. Er hält Wort.

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