Mistress America

Um Noa Baumbach (Gefühlt Mitte Zwanzig) herum, der hier die Regie übernommen und mit Greta Gerwig, die eine der Hauptrollen spielt, auch das Buch geschrieben hat, entwickelt sich so etwas, vergleichbar vielleicht mit dem deutschen Boulevard-Theater wie der Komödie am Kurfürstendamm oder der Komödie im Bayerischen Hof, allerdings für eine deutlich jüngere Generation und Film statt Theater und amerikanisch statt deutsch.

So liegen denn doch Welten dazwischen. Gemeinsam dürfte sein: die gehobenere, bürgerliche Gesellschaftskomödie. Wobei es sich bei Baumbauch ausschließlich um eine nachwachsende, intellektuelle Schichte handelt, die wollen alle Künstler werden. Brooke, die agile Greta Gerwig, träumt davon, ein Restaurant zu eröffnen, was auch Kunst- und Debattiersalon und Verkaufsladen für Klamotten sein soll, ein intellektuell-künstlerischer Treffpunkt, ein gar nicht so seltener Traum in solchen Kreisen.

Ihr begegnen wir allerdings erst über den Umweg von Tracy, Lola Kirke. Sie erfährt, dass ihr Vater die Mutter von Brooke heiraten soll; so schneit sie bei ihr in New York herein. Tracy selbst hat schriftstellerische Ambitionen. Diese und das Projekt von Brooke und natürlich die privaten Beziehungen und Liaisons und Affären und die Kunst geben viel Stoff für die entsprechenden Gespräche und Pointen.

Bald aber drängt sich der Handlungsstrang in den Vordergrund, dass Brooke noch Geld braucht zur Eröffnung ihres Ladens. Da fällt ihr aus ihrer Vergangenheit in Connecticut Mamie Claire ein, Heather Lind, die mit dem superreichen Goldman-Manager Dylan, Michael Chernus, verheiratet ist.

Mamie Claire schuldet Brooke noch etwas, denn sie hatte sie damals mit einer Kreation von Shirt betrogen. Diese dramaturgische Idee gibt dem Film die Möglichkeit, aus der Enge New Yorks auszubrechen, an Megavillen in Connecticut vorbeizufahren und einen extravaganten Neureichen-Bau, ein „stylish House“, vorzuführen. Hierbei trifft sich das amerikanische Genre wieder ganz gut mit dem deutschen Pendant, bei allen Unterschieden: auch hier sind feine Milieus als Kulisse nicht unbeliebt, um menschliche Irrungen und Verwirrungen augenzwinkernd unterhaltsam vorzuführen. Und dann noch etwas Steubenparade eingestreut.

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