„Grundsatztechnisch: warm-satt-trocken“; sagt die Leiterin der Flüchtlingserstaufnahme in Meißen. Sie handelt nach dem Kantschen Imperativ: behandle die Flüchtlinge so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Musterbeispiel. Wenn die Politik so handeln würde, erübrigten sich viele hässliche Diskussionen zum Thema Flüchtlinge.

Der Dokumentarist Walter Steffen (Endstation Seeshaupt, Bavaria Vista Club) will mit seinem Film in diesem Sinne zur Vernunft der Diskussion beitragen. Er hat die Clowns Waschli, Kuki, Mädemoisel (die feine, die sich ihren roten Teppich als eine weiße Klorolle vor sich ausbreitet) und Duda auf einer Tour durch Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtungen quer durch Deutschland begleitet, von München über Zirndorf, Suhl, Meißen, Halberstadt, Burbach, Köln bis Meißstetten.

Mit diesem Film hat Steffen Glück und Pech zugleich. Denn die Entwicklung im Flüchtlingsbereich hat seit dem Dreh drastisch an Dramatik gewonnen, statt der im Film erwähnten halben Million werden 2015 gegen eine Million Flüchtlinge erwartet. Der Film ist von der Aktualität überrannt worden, so dass viele Informationen und Statements inzwischen auf vielen Wegen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen sind.

Andererseits spült es den Film mit dem Thema auch nach oben. Ergänzt und konkretisiert, versinnlicht durch die Einblicke in die kargen Einrichtungen und vor allem durch die Beobachtung speziell von Kindern während der Clownereien und Musikclownnummern das drängende Thema. Wobei schon interessant zu wissen wäre, wie sich die Truppe finanziert; ob die das ehrenamtlich machen.

Zwischendrin blendet Steffen immer wieder gut ausgewählte Kinderzeichnungen ein, die animiert und von ausgezeichnet gecasteten Kinderstimmen mit Biographischem der schlimmen Kriegs- und Fluchterlebnisse ergänzt werden.

Dagegen wären viele Statements nicht nötig gewesen, wieso Leute sich ehrenamtlich engagieren, was für Probleme sich ergeben wenn so viele Menschen unterschiedlichster Biographie, Hautfarbe, Sprache und Herkunft zusammenleben müssen. Hier hätte Steffen ganz auf die Sprache der Bilder und der Originaltöne vertrauen können.

Die Clowns haben ein Stück improvisiert im Hinblick auf ihr Zielpublikum, auf Menschen, die nichts mehr haben als ein paar Kartons und einige Tüten.

Neckischer Schnitt: Nach einem Interviewstatement, dass bei der Flüchtlingproblematik das Geld die entscheidende Rolle spiele, schneidet Steffen auf die Erstaufnahmeeinrichtung in Köln, das muss früher ein Discounter gewesen sein, noch prangt an der Außenwand dick der Spruch „Hier spricht der Preis“. Und innen gibt es eine Megaseifenblasennummer.

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