Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit (ARD, Mittwoch, 18. November 2015, 20.15 Uhr)

Plastilin – das war das erste Stichwort, das ich mir zu diesem Fernsehfilm von Wolfgang Murnberger nach einem Drehbuch von Peter Probst notiert habe. Und am Schluss die Frage, kann es so einen Menschen, wie Tobias Moretti hier vorspielt, je gegeben haben?

Dann kommt die Idee, heute dank Internet leicht umzusetzen, den Original-Trenker auf youtube zu suchen, wo er selbstverständlich mannigfach vorhanden ist, zum Beispiel mit einer Erzählung über den Krieg. Irre wie er selbstreflexiv ist, wie er ständig zwischen Beschreibung von Handlungen, deren Bewertung, den dazugehörigen Emotionen und auch den Reaktionen und Kalkülen der Umwelt hin und herspringt, wie er die Welt wahrnimmt und wie er sich in ihr verhält. Nichts davon ist bei der Trenker-Figur, die Tobias Moretti spielt, in diesem Zwangsgebührenprodukt vorhanden.

Diese Wachheit des Originals! So viel Wachheit sollte ein jeder Schauspieler mobilisieren können. Wie aber in einem Film, in dem alles so dauert, bis mal ein Jeep ankommt, bis Moretti ans Telefon geht, wenn Göbbels anruft, bis die Riefenstahl mit den Soldaten mitgeht, bis irgendwelche Leute irgendwelche Häuser betreten haben. Das dauert und dauert, man spürt die Schwerfälligkeit aufwändigen Drehens bis in die Knochen – oder es wächst der Verdacht der Zeitschinderei mangels Content. In der Zeit hätte Trenker schon über das Dienstreglement und seine Anwendung im Krieg und auch noch über einen eingebildeten Fatzken, gescheitelt und geschniegelt, hergezogen, für den alle anderen nur Dreck waren im Gegensatz zu anderen, die menschlich und nett waren.

Grad gründlich kann der Drehbuchautor Peter Probst den Trenker nicht studiert haben. Dabei sind die Quellen heute mit wenigen Klicks verfügbar. Man könnte sich also informieren als Autor! Wenn man schon gutes Zwangsgebührengeld zu kassieren bereit ist, sollte man auch die Bereitschaft zu einer qualitativ angemessenen Gegenleistung haben und nicht zu einer, die mit zwei Klicks im Internet als wertlos desavouiert werden kann.

Selbiges gilt für den Fernsehredakteur, den Zwangsgebührentreuhänder, der das Geld für so eine Produktion freigibt. Auch er hätte sich mit zwei Klicks über das reale Vorbild informieren und mit wenigen Blicken ins Drehbuch klären können, dass hier nur ein jämmerliches Abbild des quirligen Trenker-Geistes geboten wird. Verschludertes – oder lieben Freunden zugeschobenes? – Zwangsgebührengeld.

Moretti kommt nicht entfernt an Trenker ran, die Maske schafft es noch am weitesten. Trenker selbst erzählt in einer Viertelstunde mehr über sich und die Welt als dieser Film es in teuren 90 Minuten schafft – der erzählt vor allem von einem müden Zwangsgebührenproduktions- und Pfründenapparat, dass der damit zufrieden sei, wenn der Autor sich darauf reduziere, uns zu informieren, dass Trenker dem Dritten Reich gegenüber laviert habe und dass er ohne eine Frau nicht habe ins Bett gehen könne, ein recht einfältiges Menschenbild – was Moretti mit einem häufig hilflosen Grinsen quittiert.

Für die Propagierung eines solch einfältigen TV-Menschenbildes werden wir von Gesetzes wegen gezwungen, die Haushaltsabgabe abzudrücken und müssen stattdessen auf den Besuch von Kultur verzichten, die uns nicht wie Idioten behandelt und die von einem differenzierten Menschenbild ausgehen, welches die Grundlage der Demokratie ist. Mit solcher Hudelei ist die Grundidee der Zwangsgebühr und des Grundauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes am Arsch.

Aber dem Moretti sein Tirolerisch ist fast schon schön zu nennen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers an Cornelia Ackers, Redaktion BR, und an Ulrich Wilhelm, Intendant des BR.

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