El Club

Die Küste Chiles ist nicht die Riviera, die Küste Chiles ist kein Spa, die Küste Chiles wird vom Humboldtstrom kühl gehalten, ein idealer Ort also, La Boca, noch dazu ein weltvergessener, um sündige, exkommunizierte Kirchendiener von der Welt, von der Kirche, von der Justiz und von Minderjährigen fernzuhalten.

Die Gruppe, nennen wir sie den Club, ist überschaubar. Vier ältere Männer und Schwester Monica, der der Erhalt ihrer Herrschaft in diesem dreckgelben Haus am Rande der trostlosen Flachbausiedlung direkt am Meer wichtiger ist als Gott oder strenge Vorschriften. Diese sind penibel, sie regeln genau Gebet und Tagesablauf, keine Vergnügungen, nur beschränkter Ausgang ins Dorf, kein Kontakt zu Einheimischen; dieses Leben soll der Reue, der Busse und Gott dienen, sie nennen es ein heiliges Leben.

Die hier porträtierte Welt scheint ein Symbol und Auswuchs der kaltherzigen, menschenverachtenden katholischen Sexuallehre. Schwester Monica ist nicht so kalt und herzlos und machtversessen wie sie tut: sie lässt als kleine Ablenkung zu, dass die Männer sich den reinrassigen Windhund Rayo halten (der Windhund sei der einzige Hund, der in der Bibel erwähnt werde, wird zur Verteidigung angeführt). Sie trainieren Rayo, nehmen mit ihm an Hunderennen teil, gewinnen sogar Siegprämien für eine nicht erlaubte, schwarze Kasse. Das ist zwar gegen die Regeln, aber gut für schöne Bilder vom Hundetraining und von den Rennen.

Es scheint, dass die Herren ihre sündige Vergangenheit oder ihr sündiges Verlangen unauffindbar abgelegt und zur Ruhe gebracht haben. Zwei Ereignisse bringen dieses beschauliche Leben an der Küste Chiles durcheinander und in Gefahr.

Es erscheint Pater Garcia, ein Sanierer vom Vatikan gesandt. Sein Job ist es, weltweit solche Einrichtungen zu schließen. Ein Alternative für die Insassen wäre die staatliche Justiz. Garcia studiert die Abläufe, hat die Akten der Männer dabei, interviewt diese zu ihrer Vergangenheit und sie spannen, worauf das hinauslaufen soll.

Garcia bringt einen weiteren Sünder mit, der hundeehrlich behauptet, er habe keinen Sex mit Kindern gehabt, bei ihm sei es etwas anderes. Diese Lüge hält nicht lange an. Denn es taucht als weitere Beunruhigung Sandokan auf, Opfer just jenes Priesters, der von Garcia mitgebracht worden ist. Sandokan baut sich unten am gelben Haus auf der Straße auf und schreit laut seine Erlebnisse detailgetreu, die er mit dem Pater gehabt habe. Panik im Haus drin, hoffentlich kriegen die Nachbarn das nicht mit. Dieser Auftritt löst ein einenhochdramatisches Ereignis mit Todesfolge aus.

Das Thema ist jetzt im Raum. Der zottelige Sandokan treibt sich fortan in der Nähe der Priester herum. Als lebendes Mahnmal, als lebende Bedrohung für ihr ruhiges, zurückgezogenes, verdrängendes Leben und auch als Jobbedrohung für Schwester Monica. Später wird Sandokan Garcia gestehen, dass er den Priester abgöttisch geliebt habe, dass das seine erste Liebe im Leben gewesen sei und er wird Garcia in Versuchung führen.

Ob die Sünder ihr ungestörtes Leben weiterleben können (sie gärtnern mit ein paar kümmerlichen Beeten), wird nun daran liegen, ob sie Garcia zum Mitschuldigen, zum Mitwisser machen können, so dass es für ihn nicht mehr opportun wäre, den Club aufzulösen und die Priester den weltlichen Richtern zuzuführen.

Guillermo Calderón, der mit Pablo Lorraín und Daniel Villalobos auch das Drehbuch geschrieben hat, erzeugt mit seinem Film ein schauerliches Horrorgemälde der Folgen der abstrusen katholischen Sexuallehre, des Zölibats und des möglichst leise und spurlosen Verräumens von Missbrauchsfällen durch die durch und durch verlogene katholische Kirche.

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