Eine lustig-unterhaltsame, erfrischend sorglos und doch informative Lektion über den verheerenden Einfluss von süchtig machendem, in vorgeblich gesunden, fettarmen Nahrungsmitteln verstecktem Zucker anhand eines Selbstexperimentes und einiger Recherche des Australiers Damon Gameau.
Das Ganze um eine Viertelstunde gekürzt und mit einer appettitlicheren deutschen Synchro statt einer öd routinierten versehen müsste sofort ins Pflichtprogramm der Schulen kommen – könnte dem Gesundheitswesen Milliarden sparen.
Wobei das Wissen nicht neu ist, dass Zucker schädlich sei. Es gilt zu unterscheiden. Damon arbeitet plastisch heraus, wie die Nahrungsmittelindustrie systematisch mit wissenschaftlichen Experimenten die maximale Zuckerdosierung in Form von künstlich hergestelltem Zucker, der die Menge der Glücksgefühle im Hirn optimiert und den Zeitraum für den nächsten Zuckerbedarf minimiert, zu erurieren versucht, um die Konsumenten süchtig zu machen und den Herstellern einen reißenden Absatz zu garantieren. Das alles unter dem Etikett der Gesundheit, nämlich des fettarmen Essens – und wie der Fettentzug mit künstlichem Zuckerzusatz kompensiert wird.
Nicht anders als die Tabakindustrie versucht die Nahrungsmittelindustrie die Wissenschaft zu kaufen oder die Publizierung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Gesundheistschädlichkeit (von Nierenversagen bis zum Herzinfarkt, von ständig wiederkehrenden Unwohlgefühlen bis zu reduzierter Wachheit und um zehn Zentimeter verbreitertem Bauchumfang) zu unterbinden.
Gameaus zweimonatiger Eigenversuch, bei dem er mehrere Kilo zugenommen und die Leber an die Grenze der Zirrhose gebracht hat, bestand darin, bei gleichbleibendem Kalorienbedarf statt Fett und Gemüse lauter sogenannte „gesunde“ Nahrungsmittel wie Müsli, Fruchtjogurth, aromatisierte Milch, Schockoriegel zu sich zu nehmen. In einer Stop-Motion-Technik-Szene zeigt er, was im Supermarktregal noch übrig bliebe, wenn diese gesundheitsschädigenden Lebensmittel entfernt würden: keine 20 Prozent mehr.
Die Wirkung von Cola-Getränken zeigt er in Kentucky anhand der Zahnbehandlung eines 17-Jährigen. Der Blick in seinen Mund, sein Gebiss: das ist Horrorfilm pur. Der Junge trinkt täglich mehrere Liter einer von Pepsi hergestellten Limo. Und auch sein 3-jähriger Neffe gurgelt schon 6 Dosen in sich hinein.
Ulkig an dem Film wirkt, dass Damon Gameau dieses Experiment just während der Schwangerschaft seiner Freundin unternommen hat und dafür sogar in die USA gereist ist, um Belegmaterial für seine These zu finden, was er auch reichlich tut. Jetzt wachsen die beiden Bäuche um die Wette, allerdings Damons nach dem Prinzip „Tofi“ (thin outside fat inside), zu Deutsch bedeutet das, dass die Haut außen dünn sei und das Fett sich darunter sammelt.
Vor dem Rechercheausflug in die USA hat sich Damon zu den Aborigines in Australien begeben, hat die enormen Schäden besichtigt, die die Nahrungsumstellung weg von den indigenen Früchten und Beeren zu hochglanzverpackter mit lustigen Bildchen versehenen Supermarktnahrung angerichtet hat. Das ist gar nicht lustig.