Spooks: Verräter in den eigenen Reihen (DVD)

Zuerst kommt der Fall ins Spiel. Der britische Geheimdienst MI5 hat einen der Topterroristen mit Hilfe und im Auftrag des CIA in London gefangen genommen und ist dabei, diesen an den CIA zu überstellen. Ein schwerbewachter Konvoi steckt im großstädtischen Verkehrsstau fest. Der Konvoi wird topüberwacht von allen möglichen Kameras, von einem Helikopter und in einem PKW vorneweg sitzen zwei kleinere Chargen des MI5.

Zwischen den stehenden Autos rasen Motorräder heran. Sie befreien den Hochsicherheitsgefangenen und brausen mit ihm weg; der Heli ist dummerweise abgezogen worden.

Der Terrorist Qasim, Elyes Gabel, wird als der Prototyp einer neuen, besonders gefährlichen Generation von Terroristen charakterisiert, als sprachgewandt, charismatisch und überzeugend; außerdem lernte er im Nahen Osten das Töten. Immerhin habe der MI5 einen Undercover Agenten ins Netzwerk von Qasim eingeschleust.

Nun kommen die Gegenspieler um den Fall ins Spiel, die den entfleuchten Qasim, aufspüren und dingfest machen sollen; denn er hat einen ganz großen Anschlag mitten in London angedroht, einen wie nie zuvor, der unbedingt verhindert werden muss.

Diese Gegenspieler aus dem Geheimdienstmilieu werden in der Jagd auf Qasim die bestimmenden Figuren sein. Beide sind für die Geheimdienste nicht ganz koscher, aber wahre Asse; sind in gewisser Weise Agenten „hors classe“, mit ihren unkonventionellen Mitteln außerhalb der regulären Jobbewältigung anzusiedeln.

Harry Pearce, Peter Firth, ist der alte mit allen Geheimdienstwassern gewaschene Fuchs mit einem Gesicht, in dem die Menschheitsgesichte oder auch nur die eines Psychopathen eingeschrieben sein könnte, so sicher ist man sich nicht. Er ist immer wieder für eine Überraschung gut. Die Leute unterschätzen ihn auch noch nach Jahren.

Ihn soll ausgerechnet Will Holloway, Kit Harington, unterstützen. Den muss der MI5 allerdings erst aus Moskauer Gefangenschaft befreien, so ganz nebenbei eine kleine waghalsige Action mit britischem Understatement vorgetragen. Er ist ein freier Agent und hat keine Lust, für den MI5 zu arbeiten, hat doch ausgerechnet Harry ihn vor drei Jahren aus dem Dienst gechasst aus weiter nicht einsichtigen Gründen. So zeichnen sich denn in Wills Gesicht oft Zweifel und Verwunderung, tiefe Skepsis wie Unsicherheit, so dass jede seine Aktionen zum Vornherein zum Risiko wird; und genauso wie Harry wirkt er oft am Rande des Anschlags. Sie sind in keiner Weise glatte Typen, geleckte Typen; sie ziehen Misstrauen und Vorurteil an.

Spannungserhöhend kommt in diesem brillanten Thriller von Bharat Nalluri, der ein Drehbuch von Jonathan Brackley und Sam Vincent nach der Fernsehserie von David Woistencroft zur Vorlage hatte, hinzu, dass die Flucht Qasims offenbar von höchster Stelle im MI5 gedeckt, ja sogar ermöglicht worden ist. Es sind nicht allzu viele Figuren, die auf dieser Ebene im Film vorgestellt werden, die den Verrat begangen haben könnten. Wobei auch hier die Raffinesse des kleinen Bauernopfers, resp. des geopferten Laufburschen, von den Autoren souverän eingesetzt wird.

Allein schon die Annäherung von Will und Harry, bis sie sich überhaupt begegnen, ist ein hyperkonspiratives Versteck-, Hase- und Igelverfolgunsjagd- und Abschüttelspiel der Sonderklasse, setzt von beiden höchste Raffinesse und gleichzeitig Vertrautheit mit Verdunkelungsmethoden voraus und der Schirmkontakt ist nur ein lässiger kleiner Gag dazwischen, wenn Will auf dem Weg zu Harry den ganzen CIA und MI5 und wer auch immer hinter ihm her ist, abschütteln muss.

Dann fängt es erst richtig an, ob und wieso die beiden überhaupt zu einander Vertrauen entwickeln können. Das erscheint immerhin mit dem Rekurs auf ein Stück gemeinsame Geschichte und den Tod des Vaters von Will möglich; da gibt es gemeinsame Verbindungen in die Vergangenheit.

Eine besondere Pille mit erschütternden Wirkungen spielt ein Rolle: auf dem Couvert, das sie enthält steht verheißungsvoll: Way out /Ausweg. Die Agenten immerhin, die finden immer einen Ausweg. Wenn das mal nicht beruhigt.

Den Count-Down zelebrieren die Filmemacher in Zeitlupe und mit vielen inneren Monologen von Fassungslosigkeit und die deutsche Nachsynchronissation trägt ihr Teil zur Spannung dieses exzellenten Thrillers aus London bei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert