Crimson Peak

Neben dem Anrühren des Stoffes mit der gigantischen Ausrüstungskelle dürfte der Hauptspaß der Filmemacher, das ist Guillermo del Toro, der mit Matthew Robbins auch das Drehbuch geschrieben hat, quasi die Häutung bis aufs Blut einer feinen Gesellschaft, besonders der industriellen und adeligen, gewesen sein; was sich auch stilistisch bemerkbar macht von der anfänglichen, überbordenden Ausstattungs- Kostüm- und Beleuchtungsorgie, von der perfekt geleckten Welt mit fast erschreckender Perfektion inszeniert, in die auch die deutsche Synchronisation hervorragend sich einfügt, bis hin zum Absturz in mickrigen, billig und wie schlecht gespielt wirkenden Horror-Schocker-Trash, immer das Ziel vor Augen den karminroten Höhepunkt, den Blutrausch, das Blutbad.

Das war die Weissagung, das Gespensterdrohwort für Edith Cushing, einer Großindustriellentochter, hinreißend dargestellt von Mia Wasikowska. Grausam für das Mädchen, dass sie ihre Mutter, die früh verstorben ist, nicht einmal mehr im Sarg sehen durfte; der war versiegelt, weil die Schwarze Pest die Todesursache war. Dunkle Töne früh im Leben des Mädchens und dieses Filmes.

Die Filmemacher ergehen sich nach einem Zeitsprung zu Edith als junger Erwachsener im High-Society-Leben der Cushings, Geschäftsbesprechungen und Gesellschaften in Räumlichkeiten, die jedes anspruchsvolle Museum mit Handkuss übernehmen würde.

Edith träumt davon, Schriftstellerin zu werden, sie interessiert sich auch für die Medizin und vielleicht auch ein bisschen für den Ophtalmologen und Arzt ihres Vaters, Dr. Alan Michel, Charlie Hunman, ein seriöser Arzt ohne Arg.

In all die Sorglosigkeit und feinst kostümierte Lebendigkeit taucht Sir Thomas Sharpe auf, von Anfang an als zwielichtiger Charakter und Verführer charakterisiert. Er kommt aus Europa, sei ein Baronet, was immer das für ein Titel sein mag, bringt der feinen Gesellschaft von Ediths Vater den Europaimport Walzer bei. Seine Auserwählte ist Edith – nicht zur Freude von Vater und dessen Geschäftsfreunden.

Der Baronet ist in der Familie aufgetaucht, weil er Investoren sucht für eine Erfindung, die er getätigt hat, eine Maschine zur Förderung von Ton, die er entwickelt hat, die aber erst im Modell funktioniert.

Papa Cushing ist weder vom Investitionswunsch des Baronets noch von der sich abzeichnenden Liaison zu seiner Tochter angetan. Er möchte Sharpe aus seinem Horizont weg haben. Das setzt er in Gang noch bevor er eines merkwürdigen Todes stirbt, der Zuschauer bekommt es mit, eines ganz und gar nicht natürlichen Todes – aber zum Schreiben schön gepflegt und detailliert inszeniert.

Ab diesem Horrormoment, wobei Edith schon vorher immer wieder nachts Erscheinungen hatte, die die Filmemacher liebevoll in 5-Sterne-Geisterbahn-Manier computeranimieren, geht es mit der Qualität des Filmes, mit den Darstellern, mit dem Stil rasant bergab auf einem ungeheuerlichen, britischen Schloss, Allerdale Hall in Cumberland, mit ganz offensichtlich von der Ausstattung ewig weit mit roter Erde verlegten Wegen und Plätzen und direkt vor dem Schloss steht das erste Exemplar von Sharpes Fördermaschine, der das Schloss nur mit seiner Schwester Lady Lucille Sharpe, Jessica Chastain dezidiert als böse Monsterfrau kostümiert und inszeniert, bewohnt.

Mit Edith ist Sharpe inzwischen verheiratet und dass sich die beiden Frauen nicht grün sind, wird schnell ersichtlich, genau so die Vermutung, dass mit dem Tee, den sie exponiert serviert, etwas nicht stimmen kann.

Ab hier buchstabiert del Toro den Film noch schwerfüßiger in kapitalen Lettern als ob er bereits angeschlagen sei, ob so viel menschlicher Sauerei und Windigkeit und Dreckigkeit und Skrupellosigkeit, die er transportiert und von der er spürt, dass sie nicht weniger wird, sondern zusehends jede Facon verliert, je mehr es auf den Crimson Peak zugeht, je mehr eine primitive Massenmördergeschichte einer monströsen Liebe Kontur gewinnt.

Dunkle Vorzeichen sind nicht nur manche Geräusche oder das offene Hausdach, die Kälte im Schloss Allerdale oder ein wiederaufgetauchter Spitz, der doch längst tot sein sollte, sondern vor allem auch die Wasserleitungen, die rotes Wasser über die Hähne fließen lassen, das rühre von der roten Farbe der Tonerde, in der das Schloss dabei sei zu versinken. Die Wasserröhren geben ein tönernes Dröhnen von sich.

Mit dem „kleinen Souvenir“, das Lucille unter einer Steinplatte für alle Fälle versteckt hält, ließe sich der Geschichte schnell der Garaus machen. Oh Schauder, Oh, Geisterbahn, der alte Jahrmarkt hat dich wieder.

Kein Kostümfilm ohne Hinweis auf das Heute; hier vielleicht eine flmische Resonanz auf die gnadenlose Brutalität und den herben Zivilisationsverlust durch Isis?

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