Monaco 110: Liebe, Lüge, Leidenschaft (BR, Samstag, 9. Oktober 2015, 21.00 Uhr)

Hier soll Münchner Dorfheimeligkeit von anno dunnemals reproduziert werden, ohne dass es noch die entsprechenden Typen auf dem Schauspielermarkt gibt. Und statt dass vom Narrativen her sich auf ein Fall konzentriert wird, müssen wieder zwei Geschichten (die schlägernde Rosi und der polygame Italiener) ineinanderverzopft werden, die so gar nichts miteinander zu tun haben, so dass wieder nichts gründlich angegangen wird sondern alles nur oberflächlich anskizziert im Sinne, dass die Autoren Thomas Kronthaler und Karin Michalke zeigen, wie sie es sich vorstellen ohne es genau auszuarbeiten, was dann in der Regie von Carsten Meyer-Grohbrügge in Chargen-Bauerntheater ausartet (immer lustig, wenn Frauen sich wegen einem Mann in die Haare geraten) mit wenig Verbindlichkeit und noch mäßigerer Lustigkeit und keiner Spiegelung glaubwürdigen Heute-Lebens.

Wobei einem die an sich wunderbare Monika Baumgartner, die als Polizistin ihre Enkelin zum Hüten mit auf das Polizeirevier nimmt und beim Kollegen Unterschlupf findet, leid tut, dass man sie in so eine unvorteilhafte Polizeiuniform steckt; ihr Chef, Markus Brandl, ist nicht in doofer Uniform, und ist ihr Sohn; der Sohn als Chef, so familiär ist der Polizeibetrieb in München. Brandl ist weitherum die einzige Figur mit einer Glaubwürdigkeit, dass man ihn auch im richtigen Leben an dieser Position sich vorstellen könnte, während das übrige Darsteller-Inventar querbeet aus dem Bauerntheaterfundus gacastet scheint; ok, Michael Tregor spielt den Alkoholikerwirt überzeugend, auch den könnte man sich genausogut in einer Kneipe vorstellen, diese verlangsamten Bewegungen, die ja nicht die Alkoholkrankheit verraten sollen. Und so wunderbar Monika Baumgartner ist, sie im richtigen Leben in so einer geschmacklosen Polizeiuniform gepresst zu sehen: schwer vorstellbar.

Insgesamt eine müde Angelegenheit und auch Michael Kranz gerät an seine Grenzen mit der Rolle eines Nachbarn, der sich über den Kneipenlärm aufregt. Er kann sich nicht entscheiden, wie er diese Rolle anlegen soll: klischeehaft verbiestert (dürfte in der Intention der Drehbuchautoren gelegen haben; sonst hätten Sie ihm bessere Texte gegeben) oder diplomatisch-freundlich.

Während der Wachtmeister Ulrich Müd, Georg Veitl, eine unscharfe Erinnerung und Sehnsucht an den Willy-Harlander-Typus weckt; aber heute sind nicht mehr die guten alten Zeiten.

Als Personenfüllmaterial dieser Polizeistation, die so in München heute nicht mehr vorstellbar ist, vielleicht noch im Dachauer Hinterland, bleiben die beiden Polizisten Alina Sokar und Bernhard Conrad blass und bemüht.

Die BR-Redakteure und Zwangsgebührentreuhänder Elmar Jaeger und Thomas Stammberger zeigen, dass ihr Anspruch an das Fernehspiel mit Lokalkolorit bescheiden ist; dass sie weit davon entfernt sind, Überlegungen anzustellen, wie solches überhaupt im Zusammenhang mit der Grundidee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eine Begründung haben könnte. Nur nett sein und nett unterhalten und a bissle menscheln ist dafür zu wenig. Und einmal kurz die Mietproblematik erwähnen dann noch einen polygamen Hecht als Allgmein-Boulevard-Eintrag ist ambitions- und fantasielos. Das ist weit davon entfernt, ein für heute gültiges Münchenbild zu entwerfen.

Diese Produktion, die stellenweise wie rechtes Kindergartengebastel wirkt, ist wenig aussagekräftig, höchstens über die Hintergründe ihres Zustandekommens. Der einzige Grund für ihre Herstellung scheint der gewesen zu sein, öffentliche Gebührengelder abzurufen. Wir als Zwangsgebührenzahler und mündige Bürger beanspruchen das Recht, zu erfahren, wer für so eine Produktion wieviel Euro davon abzieht.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert