Maze Runner – Die Auserwählten in der Sandwüste

Hat der Vorgängerfilm Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth noch vom geheimnisvollen Gegensatz einer idyllischen, grünen Lichtung mit Pfadfinderlageratmosphäre und einem anrainend hinter einer hohen Mauer geheimnis- und fantasievoll-bedrohlichen Labyrinth gelebt, so ist jetzt zeitgenössische Dystopie angesagt.

Die Auserwählten, die nicht wissen wie ihnen geschah und wie ihnen geschieht und was vor ihnen liegt – das immerhin ist ein schönes Bild für die Situation am Beginn des definitiven Eintritts ins Erwachsenenleben, in einem Beruf oder in eine Position – gelangen erst in eine Art Internat oder Kadettenschule, ohne Tageslicht, ohne Grün. Sie verbreiten das Gefühl dieser Wohligkeit in einer Gruppe Abhängiger in gleicher Lebenssituation.

Täglich werden aus ihrer Mitte einige aufgerufen. Sie verschwinden unter Begleitung der Autoritäten hinter einer Tür, von der bald klar wird, dass keiner der Zöglinge mehr zurückkehrt.

Eben hat es Theresa erwischt, auf die Thomas ein Auge geworfen hat, daran erinnert man sich noch aus derm Vorgängerfilm. Das beunruhigt Thomas sehr. Er fängt an mit einem Kollegen vom Schlafsaal, den er mit seinen Freunden teilt – ein Cast voll sympathischer, erwachsener, aber noch keinesfalls machohafter Männer, offen, neugierig und interessiert – über Lüftungsschächte den tabuisierten Bereich zu erkunden. Er macht schreckliche Entdeckungen, schockierende, alarmiert seine Gruppe und sie versuchen den Ausbruch aus dieser bösen Zone.

Bis dahin hat der Film wunderbar diese Stimmung, auch von Gemeinsamkeit, am Anfang des Ernstes des Lebens rübergebracht, auch dass dem Zuschauer schwant, dass dieses nicht zimperlich mit den Menschen umgehen wird, dass sie am Ende doch ziemlich anders und beschrieben aussehen werden als heute, geprägt und vielleicht gebeutelt. Aber das sind Fantasien, die über den Ist-Zustand dieses Filmes hinausgehen.

Auch der Chef Janson, Mr. Chance, Aidan Gillen, spiegelt diese Situation mit seiner freundlichen Kumpelhaftigkeit ausgezeichnet, Schullehrer mit einem Hauch Schuldirektorenhaftigkeit.

Thomas und seine Gruppe brechen mit der befreiten Theresa aus. Die Liebe als Motor. Was nun folgt sind gegen zwei Stunden Verfolgungsjagd mit altbekannten Actionmitteln und viel Schießereien – die Waffenindustrie als bewährter Pate der Filmindustrie – Durchquerung dystopischer Wüsten- und Hochhausruinenlandschaften, Begegnungen mit bissigen und teils angeleinten Zombies, Produkten misslungener Experimente von Dr. Paige, Patricia Clarkson, mehr Geisterbahn und Geisterspuk denn Coming of Age oder Lehr- und Wanderjahre, bis auf die kleine Begegnung mit dem Tod von Winston, die offenbar nach wenigen Sekunden des Stehenbleibens der Gruppe als Schattenfiguren, ein Andachtsbild an der Wüstenskyline, abgehakt ist.

Das ist zweifellos gut gemachte Action, aber irgendwie hat sie mit dem exponierten Thema, dass diese Menschen am Anfang von etwas stehen so gar nichts mehr zu tun. Es wird lediglich eine Flucht-, eine Hit-and-Run-Geschichte mit der dominierenden Textzeile „Go!, Go!, Go!, Let’s go!“.

War Teil eins noch eine spannende Bebilderung einer pubertären Beengungs- und Behinderungssituation, so scheint dieser Prozess abgeschlossen, jetzt rennen sie um ihr Leben. So hat dieser zweite Teil eher mit dem Einrücken zum Bund oder in eine Lehre etwas zu tun. Dieses Momentum der Jugend zwischen Adoleszenz und Eintritt in die Erwachsenenwelt ist hier anfänglich vorhanden, verschwindet dann vollkommen aus dem Film. Der dritte Teil wird die Antwort auf die letzte Frage an Thomas geben: so, was ist denn dein Plan? Diese Antwort hätte ruhig hier schon gegben werden können, denn die ganzen Actionssequenzen schieben sie ja nur auf.

Die Regie besorgte Wes Ball nach dem Buch von T.S. Nowlin, der den Roman von James Dashner zur Grundlage hatte.

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