Beinah eine Nouvelle Vague aus Köln mit Witz und Esprit.

Frisch und nicht fernsehversaut einige Tage im Leben einiger junger Kölner (oder Oberhausener oder Heinsberger je nach Autokennzeichen); sie hängen rum, sie bandeln an, sie wissen nicht welcher Deckel zu welchem Topf passt, das wäre beim Éric Rohmer geklärt worden, sie geben Hinweise mit Plakaten, wie die Nouvelle Vague oder mit Texten auf den Referenzrahmen (das französische Eckrestaurant in Kölnist ist so ein Hinweis). James Bond gefällt ihnen, Theo gegen der Rest der Welt aber auch Audrey Hepburn; sie nehmen den Kulturbetrieb und sich selbst auf die Schippe, 3 Männer, Randy (Ulrich Faßnacht), Donnie (Eric Carter) und Max (Sebastian Kolb) und zwei Frauen, Paula (Eva Luca Klemmt) und Louise (Karmela Shako)l. Sie ziehen sich mit leichtem Künstlertouch an, die entsprechenden Schals, Hüte, Accessoires. Donnie träumt von Shakespeare, kann aus einem Vorhang eine Bühnentoga formen, sieht sich im Spiegel anders sehen als in der Realität, Randy spielt Gitarre und Max legt zwischendrin eine Schwarz-Weiß-Stummfilm-Slapstick-Hit-and-Run-Nummer mit Landung im Müllereimer als Hinweis auf den Stummfilm hin.

Jede Jugend muss sich selbst neu und zum ersten Mal erfinden.

Ständig klingelt irgendwo das Handy, will einer die Telefonnummer von dem oder der, will der eine wissen, was der andere gemacht hat, „auf welcher Wiese“ er gegrast habe. Es wird diskutiert über das Anbandeln, über das Zur-Sache-Kommen. Aber bis dahin reichen die vier kapitelgebenden Tage nicht aus, die sich um ein merkwürdiges, ins absurd-dadaistische gesteigerte Casting drehen mit herrlichen zwei Muppets-Typen, mit Claus Wilke und Karsten Speck als Casting-Directors. Das Theater, in dem das Casting stattfindet, heißt Theater der Kulturen und das Casting soll für ein Bluesical sein, was immer das sein mag. Nicht die Sache ist wichtig; das Casting dafür.

Diese kommenden Künstler haben verquere Dialoge, können Pausen setzen, sie machen keinen Daily-Soap-TV-Blabla, sie erklären nichts, sie wundern sich über die Sprache, das Leben und die Liebe und ob man es wie eine Videokassette nochmal abspielen könne, natürlich mit dem inzwischen angesammelten Wissen und der inzwischen zusammengekommenen Erfahrung; alte Lebensfragen. Zwiegespräche über Liebe, Leben, Kaffee, Bock auf Quickie, die Einmaligkeit des Lebens. Sie sind entsprechend eingerichtet, künstlerisch, in Industrie-, Fabrik- oder Atelier-Räumen, die garantiert nicht als Wohnräume gedacht waren oder in abgefuckter Wohngegend.

Sie haben Sprachwitz und Sprachspaß, horchen einem Wort auch mal nach. Es ist – bewusst oder unbewusst – ein Echo auf die Nouvelle Vague oder man schafft sich seine eigene, mit den eigenen Themen, den eigenen Fragen und den offenen Antworten. So kommt ein Kino auf den Weg, was sich Freiraum erorbert, was sich Freiraum ertastet und was nicht dienstfertig Erwartungshaltungen von Förderern und TV-Redakteuren bedient.

„Ich hatte vom Gefühl her kein gutes Feeling“, „Ich bin sozusagen der ungekrönte Lord Nudelsalat“, „Du touchst meine Wimperklimperzone“, „wir reden ein bisschen und dannn…. reden wir noch ein bisschen … und dann… reden wir noch ein bisschen…“

Ab dem 1. Oktober ist der Film auch online verfügbar.

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