Sedwitz (ARD, ab Donnerstag, 3. September 2015, 23.30 Uhr)

Aus der Differenz Ost-West vor dem Mauerfall soll hier satirisches Potential gepresst werden, angereichert mit ein paar Dialektbröseln, ein kramfphaft zusammengebasteltes Fernsehstück.

Die geben sich alle redlich Mühe, Komik zu finden darin, dass ein Grenzer aus der Po-Ritze eines Sterbenden einen Schlüssel ziehen soll – wann hat er den denn da reingesteckt und wie lange ist der drin geblieben? Der Schlüssel öffnet eine Trafostation in Grenznähe, die einen geheimen Eingang zu einem Tunnel unter der Mauer hindurch enthält, der in eine Kappelle mitten im Wald auf der Westseite mündet. Der Grenzer wird diesen Weg benutzen, um seinem Sohn im Westen einen Zauberwürfel zu besorgen und damit brav zurückzukehren.

Parallel zu dieser Handlung leistet der Chef des Grenzers, der so stolz ist, dass in seinem Grenzabschnitt nie ein Vorkommnis zu verzeichnen war, einem Fotografen, der abhauen will, unfreiwillig Fluchthilfe, indem er eine Leiter an die Mauer stellt, damit der rüberhüpfen kann.

Der Film darf wahrscheinlich erst so spät im Programm gezeigt werden, weil einmal ein nackter Po vorkommt, den ein Westler einem Ostgrenzer zeigt, oder weil der Sterbende dem Hauptdarsteller sagt, er soll ihm in den Po fassen und weil am Ende der zweiten Folge die Gattin dem Hauptdarsteller sagt, er könne gerne auch mal an ihr rumschrauben, so wie er bei der Geburtstagsfeier seines Kindes am Zauberwürfel rumgeschraubt hat.

Wenn der Ost-West-Konflikt so müde gewesen wäre, wie er hier dargestellt wird, so wäre die DDR zu müde zum Zusammenkrachen gewesen. Interessant zu erfahren wäre, was die Redaktion, Elmar Jaeger für den BR und Uwe Heilenz für den MDR, bewogen hat, diesen Film von der Neue System Agentur (Produzent Paul Harather) herstellen zu lassen; wenn der Kalte Krieg darin doch nur lauwarm wirkt und für müde Witzchen taugt, wenn er weichgekocht wird und alles so nett war und so gemütlich. Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes missverstanden als Verklärung einer ungemütlichen Vergangenheit mittels Umdeutung in ein laues Wischiwaschi-Gefühl.

Solche vollkommen überflüssigen Pfründenproduktionen bringen einen allerdings auf kluge Gedanken: die Rundfunkgebühren, die sozial unausgewogen zwangserhoben werden, müssen drastisch gesenkt und die Budgets für solche Produktionen auf Null zusammengestrichen werden, damit die Akteure und Macher wieder aufwachen und nicht so schwachsinnig, geschichtsklitternd und ohne Unterhaltungs- noch Neuigkeitenwert dahindämmern und dafür noch unverhältnismäßig hohe Gagen abkassieren.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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