Southpaw

Phänomenal an diesem Film scheint mir das Naherlebnis, wozu dieser Boxerfilm gemacht wird, so dass ich dem Protagonisten Jack Gillenhaal als Weltklasseboxer Billy Hope, den Boxer vollkommen abnehme, obwohl er allein mit seiner Beinarbeit schon viel zu schwerfällig ist und meiner Ansicht nach nicht im Geringsten ein Boxertyp. Aber das macht das beachtliche Zusammenspiel vom Buch von Karl Sutter, der Regie von Antoine Fuqua sowie der weiteren Gewerke von Kamera, Schnitt, Maske bei weitem wett.

Durch die Nähe zu den Figuren erlebt der Zuschauer über die Hälfte des Filmes lang zuerst die brutale Härte von Meisterkämpfen im kochenden Madison Square Garden (zum Entspannen darf die Familienidylle im schlossähnlichen Familienanwesen nicht fehlen, und seine Frau, die mehr wie ein Groupie charakterisiert ist, zeigt sich besorgt; denn noch nachts spuckt er Blut) und den atemberaubenden Niedergang eines Boxweltmeisters, der nervlich nicht jeder Situation gewachsen ist, der leicht ausrastet, der durch so einen Zwischenfall seine Frau verliert und der selbstverständlich ein liebender Vater ist, den aber die Trauer um seine Frau in ein tiefes Loch stürzt, bis an den Rand des Selbstmordes treibt, Drogen, Alkohol.

Dies alles vermittelt Fuqua fast distanzlos von der Leinwand herab mit zum Teil atemberaubenden Bildern. Am Tiefpunkt wird Hopes Villa versteigert, das heißgeliebte Töchterchen kommt ins Heim und er erhält als einzigen Job noch die Kloreinigung im runtergekommenen BoxCenter „Wills Gym“ angeboten vom netten, bärigen Trainer, Forest Whitaker als Titus ‚Tick‘ Wills, der die reine Boxtheorie vertritt, dass Boxen wie Schachspielen sei, eine Sache des Kopfes und – mit Bändern angedeutet – auch der räumlichen Wahrnehmung, der ums Himmels Willen keine Profis trainieren, sondern Kinder von der Straße holen will.

Wenn Hope diese Tragödie biblischen Ausmaßes wie einsten Meister Hiob erlebt hat, dann ist kaum mehr als die Hälfte des Filmes vorbei, dann kanns eigentlich nur noch aufwärts gehen, dann ist der Moment der Katharsis, der Moment, wo die amerikanische Heils- und Erfolgsideologie sehr berechenbar einsetzt. Allerdings macht sie den Zuschauer zum Parteigänger für Hope, so dass der Comeback-Kampf in Las Vegas die Nerven nochmal ganz schön strapaziert. Seine Achillesferse ist sein linkes, verletztes Auge, meist rot.

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