Die Exposition dieses Filmes von Josh Trank nach einem Drehbuch von Simon Kinberg, Jeremy Slater + 3 beschreibt liebevoll und hübsch detailliert und vor allem mit einem wunderbaren Cast an intelligent aussehenden Buben diese Garagentüftler-Atmosphäre der Computernerds um 2007.
Es ist die Atmosphäre, die man sich immer vorstellt, wenn von den heutigen Cracks des Internet- und Computerbooms die Rede ist, die mit Facebook beispielsweise Milliardäre geworden sind. Verschrobene Jungs, denen nichts mehr Spaß bereitet als Blätter voller geheimer Formeln und Skizzen.
Insofern hat der Film eine Grundlage, die für unsere Lebenswelt glaubwürdig ist; denn auch der Cast von 2014, wie die Buben erwachsen geworden sind und bereits Jahre in ihre Studien gesteckt haben, sind intelligent und clever ausschauende, ernsthafte Darsteller.
Bei einer Tüftler-Messe werden prompt Finanziers auf sie aufmerksam, die Interesse an ihren Forschungen haben. Diese Forschungen betreffen allerdings einen Bereich, der weit jenseits unserer Lebenswelt stattfindet, es geht um die Entdeckung einer Energiequelle, fragt mich nicht wo die sich befindet, mit der auf der Erde viel Macht zu gewinnen wäre, ein Interessenobjekt also auch für die Militärs. Insofern ist das Ziel immer noch ein irdisches.
Die Tücke dieser Forschungen und dieser Quelle besteht allerdings darin, dass sie uns einfachen Gemütern rational nicht mehr zu vermitteln ist. Dafür muss nun in einer riesigen Halle eine Art Raumfahrtobjekt gebaut werden, wir wir sie schon zur Genüge in Science-Fiction-Filmen gesehen haben. Der Ort der Forschung befindet sich in einem Raum jenseits unserer Vorstellungskraft – es ist womöglich ein transzendenter Ort.
Dummerweise versuchen die Filmemacher nun, dieses Unvorstellbare darstellbar zu machen – das haben bisher auch die Philosophen nicht geschafft. Das fängt schon mit dem Start der Maschine an – es sind inzwischen vier Nerds, die an der Entwicklung forschen und basteln und die als erste, wie zu Monderoberungszeiten auf diesem energiegeladenen Fantasieplaneten die amerikanische Flagge hissen wollen, und da sie merken, dass die Mächtigen diesen Clou für sich reklamieren wollen, machen sie sich Hals über Kopf auf diese abenteuerliche Mission.
Im Film wird das so dargestellt: die vier legen sich in je eine Kapsel, die wie Särge kreisförmig mit dem Rücken zu einander in eine Art Eisengestänge-Stellage eingebettet sind, die eine Pyramidenform ergibt. Dieses Gefährt ist auf einem Sockel mitten in einer riesigen Halle aufgestellt. Einen Testlauf mit Affen hat es schon gegeben. Also können die Nerds das selbst auch probieren. Bitte keine Nachfragen nach technischen Details stellen.
Die Filmemacher hüllen die Rakete, die offenbar nicht von einem Motor, sondern von einem Computer angetrieben wird, zusehends in irrlichternde Rauchschwaden, wie von Spiegeleffekten erzeugt. Dann sind die weg – we did it! – und das Gefährt ist auch weg. Und man hat das Gefühl: es ist nichts passiert außer einem Filmschnitt. Und schon steht das Gefährt auf diesem schroffen Planeten, der eine Art vulkanischen Boden hat mit schwefelgelben Leuchtlinien. Aber der Eindruck, dass es sich um dassselbe Studio handelt wie vorhin, ist nicht aus dem Kopf zu kriegen und auch der Eindruck, dass sich das Gefährt überhaupt nicht bewegt habe und immer noch an derselben Stelle stehe wie vorher, nur dass das Studio jetzt zu diesem Energieplaneten, der irgendwie auch wieder recht irdisch aussieht, verwandelt worden ist. Dasselbe passiert mit der Vorstellung von den Darstellern.
Der Energieball jedenfalls reagiert auf den Besuch unfreundlich, ein schneller Rückzug empfiehlt sich („let’s get the hell out of here“), einen Passagier müssen sie zurücklassen, der ist bei einer waghalsigen Kletterpartie abgestürzt ist. Die anderen haben durch den Kontakt mit dieser Irrsinns-Energie unglaubliche Metamorphosen erlebt: der eine kann seine Gliedmaße plötzlich in die Länge ziehen, die andere kann wie in einer Seifenblase Kugelblitzqualitäten entwickeln und der Dritte ist ein Erdmann-Riese geworden, ein schönes Künststück an Ausstattung, mit einer Außenhaut wie vertrocknete Erde und enormen Kräften und der nächste ist zum Flammenmenschen mutiert („flame on!“ ruft er, dann wird er zum Feuerball- schöner Hokuspokus) und später wird der verlorene Freund noch als Mumie auferstehen, oh Schock, oh Horror.
Das ist alles so unrealistisch im Vergleich zur realistischen Exposition, dass sich der Gedanke aufdrängt, man hätte das besser nicht mit Realmenschen gedreht sondern lieber als Animation, vielleicht könnte es dann funktionieren.
Kurz vor Ende wird offenbart, dass es wirklich einen bösen Feind, einen Antagonisten gibt, der stärker ist als alle zusammen, und den es zu bekämpfen gilt. So wird denn der Gedanke vom Team wichtig. Und sowieso geht’s, einmal mehr in einem amerikanischen Film darum, die Welt zu rettten und Einfluss auf ihre Entwicklung zu nehmen, alles kleine Demiurge, die „commitment“ zeigen, und die natürlich auf keinen Fall ein „Werkzeug“ gewöhnlicher (menschlich-militärischer) Macht sein wollen.
So bleibt bei all dem Hokuspokus doch die Frage offen, ob es sich bei diesem „Science Fair“ nicht doch eher um einen Zauberwettbwerb handelt; was aber im Film energisch verneint wird, denn genau den Eindruck erweckt er durch seine Machart. Oder auch: eine nette Illustration zum Goethe-Faust-Wort von den Geistern, die er rief und nicht mehr los wird. Die dystopische Schlussfolgerung nach all den recht vorhersehbaren Ereignissen: die Welt ist am Sterben, die Menschen haben ihre Chance gehabt.