Barbie – Eine Prinzessin im Rockstar Camp

Es muss der Zauberstab der Prinzessin gewesen sein, der diesen Film ins Kino gebracht hat, denn das Szepter erfüllt alle Wünsche, es macht alles möglich. Das Ziel dieser offensichtlichen Produkt-Promotion ist eine Friede-Freude-Zauberstab-Show-Tanz-Welt aus geschleckter Puppenschönheit und ebenso geschleckter deutscher Nachsynchronisation und Zudröhnmusik.

Denn die beiden Produktlinien, die hier schaufenstermäsßg präsentiert werden sollen, sind nicht ernstlich miteinander verkracht noch sind sie verfeindet, Konflikte passen nicht in eine glückliche-Welt-Darstellung, in eine lupenrein-weiße Puppen-Welt-Präsentation.

Treffender ist also von schablonenhaft-schematischer Zweigleisigkeit zu sprechen. Hier die Prinzessinnen-Welt, da die Rock-Welt, eine so püppchenhaft wie die andere.

Die Vorstellung der beiden Welten und deren Melange geschieht geometrisch. Je ein kleines Luxusschiff jeder Fraktion wartet an einer Pier. Je ein Gast landet auf der falschen Liste und damit auf dem falschen Schiff. Es sind dies die Prinzessin Courtney und der Rockstar Erika. Die beiden Schiffe zielen auf die beiden Sommercamps, die um eine Lagune arrondiert sind, das adelige eher rustikal, burghaft, das rockige modernistisch, bunt, glas-betonhaft.

Einige Zeit wird jetzt damit verbracht, zu bemerken, dass die im falschen Camp Gelandeten sich in der Kleidung unterscheiden. Die Reaktion auf diese Feststellung heißt Anpassung, Angleichung der Klamotten.

Dann wird eine feindliche Übernahme des Adelscamps durch den Manager des Rockcamps ins Spiel gebracht. Pikant dabei, dass die Chefin vom Adelscamp und er früher ein Paar waren. Man einigt sich gütlich auf das Verfahren eines musikalischen Wettbewerbes beider Camps. Der Sieger soll das andere übernehmen dürfen.

Damit die reale Lebenswelt in dieser spülmittelreinen Dekorwelt, in dieser Rundum-Schnuckelig-Welt nicht ganz außen vor bleibt, wird behende ein bestochenes Jurymitglied erfunden, was bei der Preisverleihung für kurze Irritation mit sofortiger Aufdeckung des Schwindels sorgt, womit das Happy-Rundum-Glücklich-Paket-Ende mit dem Song „Du schaffst alles, wenn du willst“ noch vor der 90. Minute eingeläutet werden kann. Und wir reiben uns verwundert die Augen und fragen uns, ob irgendjemand so etwas ernsthaft im Kino anschauen will.

Aufgabenbeschreibung für den Schaufensterdekorateur: gestalten Sie einen Kinofilm, der die beiden Produktlinien Barbie-Adel und Barbie-Rock gut zur Geltung bringt und mit schönen Gefühlen assoziiert. Insofern erinnert der Film an die Auslagen von Spielwarengeschäften und Kaufhäusern um Weihnachten und Ostern herum: lauter Spielzeugfiguren, die sich pausenlos bewegen – aber es tut sich nichts.

Die oberste Maxime solcher Produktpromotion heißt Makellosigkeit; kein Stäubchen darf die Auslagen trüben, kein Luftzug ein Röckchen heben. Kino und Makellosigkeit vertragen sich allerdings schlecht, da es im Kino ja um die Verwundbarkeit und Angreifbarkeit der Seele geht; die nur durch Makel spürbar wird. Makellosigkeit versiegelt hier die Seele des Kinos.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert