Underdog – White God Feher Isten

Ein surrealistischer Film bietet den Vorteil vielfältiger Interpretationsmöglichkeiten und Denkereien und Fantasien drum herum.

Von Menschen und Hunden könnte dieser Film von Kornél Mundruczó auch genannt werden. Wer ist der ärmere Hund, der Mensch, der Hund oder das pubertierende Mädchen Lili, Zsófia Psotta. Sie muss einige Zeit bei ihrem Vater verbringen, einem Schlachter, weil die Mutter, bei der sie lebt, nach Australien fährt.

Der Film spielt in Ungarn. Da gibt es viele herrenlose Hunde. Die spielen hier nebst dem Mädchen, dessen Vater, und einigen weiteren menschlichen Besetzungen die Hauptrolle.

Lili muss den Hund „Hagen“, eine Promenadenmischung, mit zum Vater nehmen. Der ist nicht erbaut darüber, einerseits sowieso und andererseits, weil für Promenadenmischungen eine Steuer anfällt im Gegensatz zu den reinrassigen Hunden. Bevor der Vater den Hund ins Tierheim bringen kann, reißt Lili aus, nimmt den Hund mit zur Schulorchesterprobe, wo sie die Trompete spielt.

Ein schweres Stück wird gerade eingeübt und der Lehrer befragt die Schüler über Tannhäuser. Es gehe um die Liebe, meint Lili. Der Hund stört die Orchesterprobe, er ist unerwünscht, Lili darf ihn nicht mehr haben, es fängt für ihn eine wilde Odyssee an, wie sie Straßenhunden im Ungarn Viktor Orbáns blühen kann, starker dokumentarischer Input. Erst findet ein Bettler den Hund. Der bringt ihn zu einem Hundehändler, der wieder zu einem Abrichter für Hundekämpfe.

Zwischendrin büchst Hagen aus. Er lernt auf einer Müllkippe einen Terriermischling kennen. Dies hat eine kleine Hunderomanze zur Folge wie in einem süßen Kindertierfilm. Aber Lilli und Hagen können sich nicht vergessen. Immer begleitet sie der Gedanke an den Hund. Schicksalshaft werden sie sich in einer absurden Szene im Konzertsaal wiederbegegnen, bevor das große Hundechaos in der Stadt losgeht. Denn Hagen hat im Tierheim, wo er zuletzt war, 250 Hunde befreit und die rasen nun wie eine wilde Rotte durch die Stadt, üben Selbstjustiz an Hundefeinden und ob die Wiederbegegnung zwischen Lilli und Hagen funktioniert, das bleibt bis zuletzt spannend, denn der Hundekämpfertyp hat in ihm verborgene Kampfinstinkte geweckt, so dass Hagen grausam die Zähne fletschten und knurren kann. Da ist nichts Liebliches mehr dabei.

Der Abspann weist den Film als eine gute Tat auf. Für den Dreh der imposanten Bilder der riesigen Hundemeute, die durch die Stadt rennt, seien 250 Hunde von der Straße geholt und gezähmt worden, anschließend habe man für sie gute Herrchen und Frauchen gesucht und gefunden und sie zivilisert untergebracht.

Der Film schließt mit einem magischen, apotheotischen Kinobild, wie ein Kirchenfenster. Der Zuschauer darf ins Grübeln kommen. Auch über die magische Kraft der Pubertät, was die Verschlossenheit von so einem Mädchen für ein Macht, für eine übernatürliche Macht entfalten kann.

Der Film gibt eine Interpretationshilfe, er fängt mit einem vorgestellten Rilke-Wort an: „Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“ Ein Votum für Furchtlosigkeit. Besonders im heutigen Ungarn, das sich schwer mit Erhalt und Ausbau der Demokratie tut. Surrealismus hat in Diktaturen den besten Nährboden.

Nach all der Heftigkeit, die pointiert von klassischer Musik bis Elektro akkustisch untermalt ist, legt Mundruczó über den Abspann erst Vogelgezwitscher, dann ganz leichte elektronische Echoklänge.

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