Slow West (Filmfest München)

Sympathische, kleine Westernskizze, mitproduziert von Michael Fassbender, Buch und Regie stammen von John Maclean. Fassbender selbt spielt den Kopfgeldjäger Silas Selleck, der immerhin so viel Herz hat, dass er eine menschliche Lektion zu lernen fähig ist, dass Leben mehr bedeutet als Überleben. Diese Lektion verdankt er Jay Cavendish, Kodi Smit-McPhee. Das ist ein junger, schlacksiger, hochbegabter und intelligent aussehender Darsteller. Der reist allein in den Wilden Westen. Er hat lediglich ein Handbuch dabei, wie dort zu überleben. Er reist im Anzug und mit viel unnützem Gerümpel. Er, der Träumer, der Naivling, ist auf der Suche nach seiner großen Liebe, einer noch platonischen Liebe, zu Rose Ross, Caren Pitorius.

Auch Silas Ziel ist Rose und ihr Vater. Denn beide werden steckbrieflich gesucht. Das weiß Jay nicht. Inofern benutzt Silas Jay lediglich, um ihn zu Rose und dem Vater zu führen, damit er seiner Profession nachkommen kann.

Auch die wilde Horde um Payne und noch andere sind hinter den Gesuchten her. Diese haben sich ein hübsches Häuchen gebaut irgendwo im Wilden Westen, der hier in Neu Seeland gedreht wurde. Sie erwarten nicht so viel Besuch auf einmal, wie er dann eintrifft.

Ein Grund dafür, den Film mitzuproduzieren, dürfte für Fassbender zum einen gewesen sein, dass er selbst einmal Westernheld spielen wollte, obwohl die Rolle gar nicht so ergiebig ist für ihn; der offensichtlichere Grund dürfte die Wertschätzung des Talentes des jungen Kodi Smit-McPhee gewesen sein, der im Film selbst auch mal als ein Rohling bezeichnet wird und der in seiner unaufgeregten, intelligenten, aber nicht weniger gefühlvollen Spielart, der jedes Machotum abgeht, ohne weich zu wirken, fasziniert.

So ist denn der Verlauf der Geschichte gar nicht so wichtig, auch wenn die beiden mal schier von einem anschwellenden Fluss mitgerissen werden, dann die nassen Kleider an einer zwischen den beiden Pferden gespannten Leine aufhängen und so durch die Weiten in grober Ganzkörperunterwäsche reiten, ein schräger Anblick diese Mischung aus Westernheldentum und Hausfraulichkeit; das Seil wird sich bei einem Indianerangriff als hilfreich erweisen, während Jay den Pfeil, den er instinktsicher mit der Hand abzuwehren versucht, so dass dieser durch die Handfläche geht, relativ schmerzfrei wegsteckt.

Neuseeland hat als Western-Westen einen schönen Reiz zu bieten in diesem sympathischen Western à la Marke Eigenbau, Western des Liebhabers, der ihn gar nicht neu erfinden will, aber große Wonne dabei entwickelt, einmal wachen Auges durch einen solchen zu spazieren.

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