Ooops! Die Arche ist weg (Filmfest München)

In diesem merkwürdig kompliziert geförderten, europäischen Animations-Film versucht Toby Genkel neue Tierfiguren auf der Leinwand einzuführen, könnte heißen, introducing on screen: die Nestrier und die Grymps, in ihrer künstlerischen Gestaltung erinnern sie an eine Mischung aus Badezimmervorlegern und Klobürsten; jedenfalls ist es schwer, eine Beziehung zu ihnen herzustellen, denn das Drehbuch vergisst, sie so vorzustellen, dass eine Empathie zu ihnen möglich wäre; am ehesten noch Mitleid; es sind Figuren aus dem Bereich einer Gartenzwergästhetik und auch ihre Bewegungsabläufe sind sonderbar identitätslos.

Der Film fängt nüchtern protokollarisch wie ein amtlicher Vorgang an und will ein Kinderfilm sein. Die Sintflut ist angekündigt. Also müssen sich die Tiere paarweise zur Arche begeben. Einlassverfahren sind nicht gerade ein Garant dafür, Schwung in einen Film zu bringen. Die Tiere müssen auf einer Liste stehen. Liste und Kinderfilm. Check-in und Kinderfilm. Anstehen in Reihen und Kinderfilm.

Die Nestrier stehen nicht auf der Liste. Sie müssen sich mit den Grymps reinschmuggeln. Je ein Junges der beiden vom Filmemacher erfundene Spezies verpassen die Abfahrt der Arche, die mehr wie ein gewaltiger, geflochtener Nachttopf denn wie ein Schiff aussieht. So lässt sich immerhin ein Storyfaden nach bewährtem Rezept entwickeln. Die beiden, die sich nicht grün sind, müssen sich gemeinsam, gegen das steigende Wasser und gegen hungrige Raubvögel zu Wehr setzen.

Zu ihnen gesellt sich eine Schnecke, die in Wahrheit ein Wal ist, Gott bewahre Kinder vor solchen Fantasien, somit ist dem Film immerhin ein Stück Abenteuer- und Roadmovie einkonstruiert. Wobei die Abenteuer sich im Bereich des Katastrophenfilmes bewegen mit Schussfahrten durch ewig lange rohrhafte Gänge oder über riesige, steil abfallende Felswände und Wasserfontänen. Was unklar macht, für welches Kindesalter dieser Film überhaupt gedacht ist. Insofern ist auch nicht nachvollziehbar, wieso der Film in 3D angeboten wird, denn das Format bringt in Relation zum Bildmaterial gar nichts, außer dass es die linkische Bildgestaltung eindunkelt.

Wenig erfreulich und garantiert nicht im Sinne der Entwicklung von Sprachgefühl für die Kinder ist die Tonspur. Es scheint, als ob deren Herstellung nichts kosten durfte, das Studio nur kurz zur Verfügung stand und die Aufnahmen so schnell und unvorbereitet wie möglich in den Kasten gepresst werden sollten. Es fehlt den teils renommierten Sprechern an einer einprägsamen – und auch die Figuren charakterisierenden – Sprechkultur, wobei die Regie zum verschwommenen Eindruck noch das ihre beigetragen haben dürfte. Christian Ulmen eiert in seiner Rolle, behilft sich ab und an mit Druck auf ein anlautendes H oder M, hm, denkt man da.

Was für eine rundum gelungene und kindgerechte Geschichte ist dagegen Der Rabe Socke 2 – Das große Rennen.

Vielleicht können uns die vielfältigen Förderer darüber aufklären, was an diesem Film so besonders sein soll.

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