Amy (Filmfest München)

Rauschhaft zieht einen diese Dokumentation von Asif Kapadia über die grandiose Sängerin Amy Winehouse in ihren kometenhaften Aufstieg hinein mit viel privatem Videomaterial, das sie immer im Mittelpunkt und ganz nah hat. Wie sie als Teen singt, weil sie gerne singt, weil sei eine Begabung ist. Wie sie gar nicht von einer Karriere träumt. Wie diese plötzlich anfängt und rasend schnell an Fahrt gewinnt. Wie der Moloch Medien und Öffentlichkeit sich wie eine Krake auf sie stürzt und letztendlich wohl mit kaputt gemacht hat; wobei schwer auszumachen ist, was nun der Grund für den Absturz gewesen ist, die Liebe, die Heirat, die Drogen, die Verfolgung durch die Papparazzi, die hier besonders aufgemotzt nachbearbeitet worden sein dürfte.

Der musikalische Höhepunkt im Film sind die Aufnahmen aus dem Studio, wie Amy mit der Jazzlegende Tony Bennett singt.

Sympathisch an ihr, dass sie sich so gab, wie sie war, dass sie ihren Dialekt bis zuletzt beibehalten hat. Allerdings kippt der Film nach dem Absturz und mit dem Auspacken ihres langjährigen Bodyguards doch mächtig ins Klatschhaft-Sentimentale auch mit dem Hinausziehen des Schlusses. Das ist schade, weil der Film gerade durch das Persönliche, das private Material, vor allem in den Zeiten, als sie noch ein Teen war, ein eindringliches Portrait zeichnet.

Aber dass der Bodyguard einen Anruf von ihr auf seinem Anrufbeantworter für den Film freigibt und dass Asif Kapadia den auch im Film belässt, das verleiht der Sache ein Geschmäckle.

Beeindruckend an Amy sind ihr Feeling für Rhythmus, Tempo, Pausen, Diktion bei ihren Songs, die sie meist selbst geschrieben hat, nicht um Kunst zu machen, sondern weil sie so ihre Gefühle ausdrücken wollte. Das hat sie immer schon gemacht. Die Auswertung in Songform kam erst auf Anraten von Freunden.

Positiv an dieser Dokumentation kommt auch rüber, dass die Interviewpartner, die sich zu Amy äußern, Produzenten, Weggefährten, Musiker, Verwandte, Freunde, überwiegend im Voiceover-Modus zu hören sind, während Bilder von Amy gezeigt werden.

Es entsteht der Eindruck, dass Amy eine ganz seltene, einmalige und außergewöhnliche Gesangsbegabung war. Schon als Teen hatte sie viel Musik gehört und kannte sich aus. Die Begegnung mit Tony Bennett war für sie immer noch mit Hemmungen belastet, da sie es kaum fassen konnte, obwohl sie längst weltberühmt war, mit dieser Legende zu singen.

Die Queen of Soul. Und wie das Geschäft sie fertig gemacht hat. Mit vielen Ausschnitten von Konzerten, Talk-Show-Auftritten, Preisverleihungen, aber wohldosiert. Eine elektrisierende Sängerin: Love is killing me. Der verpatzte Auftritt in Belgrad, wo sie einfach nicht gesungen hat. Eine subjektive Doku, ansteckend durch ihre Faszination von Amy.

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