Ausgezeichnete Systemkinematographie zum Thema Nazis und die Raubkunst am Beispiel von Gustav Klimts „Die Frau in Gold“, will heißen, ein Kino was unter dem Primat der Forderung nach einer in sich stimmigen und stringenten Geschichte nach bestimmten Regeln gekonnt nach einer „wahren Geschichte“ ein spannendes und gleichzeitig unterhaltsames Movie baut, da und dort geschönt, vereinfacht, nicht aber am Kern vorbei und mit klarer Moral, und dies mit blendenden Schauspielern darstellen lässt; wobei auch die Figuren und ihre Needs sorgfältig herausgearbeitet werden, ebenfalls unterm Primat der Forderung nach einer runden Geschichte.

Der Aufhänger ist das Gemälde „Die Frau in Gold“ von Gustav Klimt, eine Auftragsarbeit für eine reiche jüdische Familie in Wien, anfangs des letzten Jahrhunderts hergestellt und kurz vor Ende des Jahrtausends endlich der rechtmäßigen Erbin, der Nichte Maria der Proträtierten restituiert.

Es ist auch eine Geschichte, die den Holocaust erinnert, die gigantischen Bilder- und Kunsträubereien der Nazis und die mühsame Geschichte der Rückgabe der Kunstgegenstände, die noch lange nicht zu Ende ist, wie aktuell der Fall Gurlitt zeigt oder im BR-Fernsehbeitrag Unter dem Hammer der Nazis das Beispiel der Galerie Neumeister in München.

Dass die Erben der einstigen Inhaber ein Recht auf das geräuberte Gut haben, das stellt der Film plausibel dar. Als Hauptperson figuriert Maria Altmann, Helen Mirren. Sie betreibt in L.A. einen kleinen Laden. Sie hat die Vergangenheit, die Jugend in Wien hinter sich gelassen und will nie wieder etwas davon wissen. Sie kannte selbstverständlich ihre Tante Adele Bloch-Bauer und auch das Porträt von ihr.

Anlässlich einer Beerdigung, an der auch der junge Schoenberg-Nachkomme Randy Schoenberg, Ryan Reynolds, zugegen ist, wird der Zusammenhang zwischen Maria und dem Klimt-Gemälde offenbar. Randy wird als ein eher leichtfüßiger Nachwuchsanwalt charakterisiert. In Pasadena ist er mit einer eigenen Kanzlei wenig erfolgreich gewesen. Er bewirbt sich gerade bei einem renommierten Haus. Seine Herkunft und Beziehung sind ihm dabei durchaus von Nutzen. Auch wie er sich hier durchzusetzen versucht, ist einer der Spannungsstränge der Geschichte.

Zur Systemkinematographie gehört in diesem Fall auch eine kleine Familiengeschichte. Randy ist jung verheiratet. Seine Frau ist mit dem zweiten Baby schwanger. Der notorische, aber hier durchaus genießbar konstruierte Konflikt zwischen Familie und Job ist somit auf den Weg gebracht.

Randy kann Maria überreden, mit ihm nach Wien zu fahren, um die Restitution des Gemäldes zu fordern. Wie im wahren Leben – über den Fall ist lange geschrieben worden – türmen sich ungeahnte Hindernisse auf.

Auch Maria ist nicht so leicht handhabbar, sie wird als eigenwillig charakterisiert, aber auch humorvoll; so eine Figur ist bei Helen Mirren in besten Händen.

Dass das Klimt-Bild einen Schätzwert von 100 Millionen hat, erhöht selbstverständlich den Reiz der Geschichte; denn um an so ein Erbe zu kommen, braucht es vorher oft den Einsatz von viel Geld, was weder Maria noch der Anwalt haben. Aber in einer guten Geschichte findet sich immer eine Lösung und auch der Anwalt wird nicht zu kurz kommen.

Dass das Gemälde nach dem Willen von Maria immer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, wenn nicht in Wien, so doch in der Galerie Lauder in New York, das könnte einen durchaus veranlassen, hinzufahren und sich das Bild im Original anzuschauen, um sich zu vergewissern, dass es sich hier tatsächlich nicht um eine Erfindung des Kinos handelt.

Sympathisch, dass das Kinderbuch Struwwelpeter eine Rolle spielt und auch, dass viele internationale Darsteller für ihre deutschen Sätze offenbar einen guten Coach hatten. Daniel Brühl hat als investigativer Journalist in Wien einen weitern gefälligen, achtbaren Auftritt im internationalen Kino; er nimmt Mirren und Reynolds keine Butter vom Brot.

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