Abschussfahrt

Hier hechelt das deutsche, zwangsgebührensubventionierte Kino Welterfolgen wie „Hang over“ Jetzt ist Bangkok dran, Hangover 3 und Sex on the beach, Sex on the Beach 2 hinterher; muss aber noch einiges lernen, wenn es an deren Erfolge anknüpfen möchte.

So reichen Stretchlimousine, Panzer in Prag und die Aneinanderreihung öder, abgedroschener Klischees darüber, was verrucht sei, nicht aus, mit den Vorbildern gleichzuziehen. Hier schulden uns, den Zwangsgebühren- und Steuerzahlern, die Verantwortlichen Förderer von FFFBayern, FFA und DFFF schon eine Erklärung, warum sie diesen Film ermöglicht und unterstützt haben.

Haben die Kulturfunktionäre des FFFBayern, von FFA und DFFF sich vielleicht blind von der Begeisterung des Regisseurs und Drehbuchautors Tim Trachte und des Produzenten Christian Becker vereinnahmen lassen, wie die ihnen vorgeschwärmt haben, dass es höchste Zeit für einen deutschen Hang-Over und einen deutschen Sex-on-the-Beach sei? Und haben die das Buch dann gar nicht erst gelesen?

Haben diese Kulturfunktionäre nicht gesehen, dass die langatmige Exposition, bis die vier Gymnasiasten endlich ihren Roadtrip in Stretchlimousine durch das Prager Nachtleben beginnen, überhaupt keine Exposition ist? Dass die nebst kurzer Info über den Pragtrip und einem schulischen Hinweis auf die Panzer in Prag und nur allerminimsten Figurhinweisen auf die Protagonisten vor allem aus wild durcheinander geschnittenen Schnipseltexten besteht wie: Spack, Spast, Titten, scharf auf mich, Asthmaanfall wegen Nebelmaschine, Versicherungsvertreter, wir kriechen ganz tief rein, wenn ich auf den Sack gehe, ich glaub, mir ist schlecht, Kotztüten, Du siehst aus wie ein Zombie, Alter, was geht mit dir ab, hast du deine Schwester schon mal nackig gesehen, hier riechts voll nach Kotze, morgen wird fett, Asperger, Alzheimer, Autismus, soll super cooler Club sein, was geht ab, ein bisschen nuttig, supersexy short, es wird voll geil Mann, von Mösen besessen, perfekte Scheiße.

Kamera- und Schnitttricks, versaute Begriffe statt Story, das scheint hier das Prinzip zu sein und Beschleunigungen; aber auch drei Cutter konnten offenbar kein spannendes Drehbuch aus dem Material rekonstruieren.

Hinzu kommt ein gravierendes Besetzungsproblem: die Jungs sind alle nett, brav, sicher ordentliche Schauspieler – aber sie wirken alle wie das Abziehbild vom Konfirmanden, man traut ihnen ein Sexproblem gar nicht zu; kann ihnen also auch diese Abenteuer nicht richtig abnehmen.

Insofern ist es nur konsequent, dass ganz in der Manier deutschen Erklärkinos am Schluss noch erklärt wird, was ihre Wandlung durch die nächtlichen Abenteuer gewesen sein soll. Denn filmempirisch ist so gar keine Veränderung ersichtlich. Sie sind am Schluss so brav und nett und lieb wie zu Beginn.

Auch am Rhyhtmus des Filmes hapert es merklich, der wirkt hackelig und wird immer wieder unterbrochen mit vernünftelnden Diskussionen, was jetzt zu tun sei – die bei dem Alkoholpegel, der den Jungs zugeschrieben wird, schlicht nicht plausibel sind.

Da der Triebnostand der braven Buben nicht spürbar ist, ist auch nur schwer Empathie zu ihnen zu entwickeln. Kurz flammt sowas vielleicht auf, wenn der eine am Steuer des Panzers sitzt, da leuchtet inneres Engagement auf und man denkt, vielleicht sollten diese braven Buben lieber junge Nazis spielen, solche mit konsequenter Triebkompensation durch verbrecherische Ideologie, Machtgefühl an Waffen, Uniform und Rassismus.

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